The Europe Challenge

Wie können Gruppen und Gemeinschaften in ganz Europa zum Aufbau öffentlicher Räume beitragen und wie sich an demokratischen Gesprächen beteiligen?

Diese Frage bewegt Öffentliche Bibliotheken in ganz Europa – es gibt übrigens etwa 65.000! Das sind öffentliche, sichere, kulturelle, zugängliche Räume, die Zugang zu Teilhabe und Wissen ermöglichen. Sieben dieser Bibliotheken stellen sich der Europe Challenge, die ZLB ist dabei.

Und es geht um zwei Dinge – eine europäische Vernetzung zu Sachthemen und Projekten und aber auch um ein jeweiliges lokales Projekt. Wir tauschen uns also permanent mit den anderen teilnehmenden Bibliotheken aus, aber wir gestalten auch ein Projekt vor Ort. Und zwar nicht allein, in der ZLB entsteht zusammen mit Teilen der queeren Community Berlins und in mehreren Workshops gemeinsam entwickelt ein Bibliotheksprojekt zu Fragen von gesellschaftlicher Teilhabe.

Wir haben unter dem Titel Queering the public space – Open Call for Participation #queeringthelibrary aufgerufen, sich mit Projektideen bei uns zu bewerben und viele tolle Einreichungen erhalten. Vielen Dank!

Die Jury hat entschieden: Iris Rajanayagam von der Bundeszentrale für politische Bildung (Bundeszentrale für politische Bildung | Demokratie stärken, Zivilgesellschaft fördern), Leo Yannick Wild von TransInterQueer e.V. (TrIQ*) (TransInterQueer e.V. | Willkommen bei TrIQ!TransInterQueer e.V.) und Judith Galka – Leiterin Programmarbeit der Zentral- und Landesbibliothek Berlin haben die drei folgenden Projekte ausgewählt. Diese erhalten ein Projektbudget von bis zu 2.000,00 Euro und wir stellen ihnen Infrastruktur, Personal und Medienbestand.

Die Projekte

Unerhört und ungesehen

ein Projekt von 
Oyoun - Kultur NeuDenken (link: Oyoun | Kultur NeuDenken)

Jedes Land in Europa erlebt Migration und die dadurch entstehende Mischung und Neubildung von Sprachen und Vokabular. Bei „Unerhört und ungesehen“ entstehen eine oder mehrere interaktive, dialogische Installationen, die queere Perspektiven und den Sprachgebrauch von queeren Menschen mit Migrationsbiographie in den Fokus rücken.

Im Rahmen einer Archivrecherche zur Geschichte von Veranstaltungen von und für queere und trans* Migranten-Communities in Berlin suchen wir nach alternativen Möglichkeiten der Dokumentation und Archivierung kollektiver Praktiken und gemeinschaftlicher Wissensproduktion. Wir werden die Archive verschiedener Veranstaltungsorte und Institutionen durchforsten und nach Material suchen, das ein solches Engagement in Form von Musikveranstaltungen wie Konzerten und Partys, Drag Nights oder Tanzveranstaltungen, dokumentiert. Ein solcher Ansatz wirft die folgenden Fragen auf: wie können die flüchtigen Momente des Nachtlebens, die flüchtigen Momente aus Konzerten und Erlebnissen, archiviert werden? Und kann man so die Wechselwirkung zwischen der kollektiven Beschäftigung mit Musik und den queeren Sprachen unter migrantischen Gemeinschaften verstehen?

Die Ergebnisse dieser Forschung werden in einem Workshop vorgestellt, in dem die Teilnehmer*innen dazu ermutigt werden, nach verschiedenen Formen von Archiven zu suchen, ihre eigenen kollektiven Archive zu erstellen und alternative Geschichten zu schreiben.

„Welche Archivierungspraktiken existieren im lokalen Raum und sind sichtbar vor allem in den betroffenen Gemeinschaften ohne Anerkennung des hetero- oder homonormativen Mainstreams der Stadt? Hier blicken wir vor allem auf alternative Praktiken, Sammlungen von Erzählungen, solidarische Handlungen von Gemeinschaften, generationsübergreifende Hilfestellungen, Überschneidungen von Widerstandsbewegungen und die Früchte, die diese trugen oder den gegenseitigen Trost, den diese boten.“ (Oyoun)

Veranstaltung | "Unerhört und ungesehen"

Sonntag, den 30.01.2022 | 14.00 Uhr - 16.00 Uhr

Amerika-Gedenkbibliothek | Lesehalle

Wie können wir queere Formen von Gemeinschaft und Solidarität in unabhängigen und alternativen Organisationen archivieren und so dokumentieren, welchen Raum Musik und Clubkultur vor allem für migrantische queere und trans* Menschen und ihre Communities eröffnen? Das Kollektiv Oyoun und drei Mitglieder dieser Communities begeben sich mit uns auf eine Recherchereise. Gemeinsam erstellen wir eigene Archive und können so alternative Geschichten schreiben.

Die Ergebnisse des Workshops werden danach von Oyoun aufbereitet und zu interaktiven, dialogischen Installationen entwickelt. Queere Perspektiven und der Sprachgebrauch von queeren Menschen stehen im Fokus der Arbeit.

Anmeldung hier möglich.


Transcodiert

ein Projekt von
Biba Nass (kein Pronomen /er)

Transcodiert – Queeres Literaturmagazin „Transcodiert“ ist eine Publikation queerer literarischer Werke und eine Plattform für den künstlerischen Ausdruck von trans*, inter*, nicht-binären*,  queeren* und questioning Personen. Von belletristischer Gegenwartsliteratur, Lyrik, Prosa, Kurzgeschichten, Illustrationen, bis zu Collagen und Fotografien reichen die künstlerischen Arbeiten. Für queere Menschen, die sich für Kunst und Literatur interessieren, fehlt es im öffentlichen Raum und in veröffentlichten Büchern an selbst erzählten, literarischen Sätzen und Schriften. Nun entsteht auch deshalb „Transcodiert“.

"Bei diesem Projekt geht es darum, Geschichten zu kreieren, um nach selbstbestimmter Identität zu suchen - von der Community für die Community. Es kann Empowerment bedeuten in den Austausch zu kommen, und die Probleme, die damit einhergehen, aufgeschrieben zu sehen. Außerdem bietet es der cis-normativen Gesellschaft die Möglichkeit, ihre binärgeschlechtliche Perspektive zu hinterfragen, weil der Ausdruck durch Kunst einen besonderen Zugang schafft." (Biba Nass, Transcodiert Magazin)

Veranstaltung | Transcodiert Release – Das queere Literaturmagazin

Wir feiern die erste Ausgabe von Transcodiert - dem neuen queeren Literaturmagazin! 

Samstag, den 20.11.2021 | 18:00 Uhr bis 20:30 Uhr

Berliner Stadtbibliothek | Berlin-Saal

Die Autor*innen Damoun, Shivā Amiri, Sherin Sriewe und Sâre Zer lesen ihre Texte. Im Anschluss moderiert Jena Samura ein gemeinsames Gespräch über das Gelesene und über queeres Schreiben allgemein. Im Anschluss gibt es eine Live-Performance. 

"Transcodiert" ist eine Publikation für queere literarische Werke und eine Plattform für den künstlerischen Ausruck von trans*, inter*, nicht-binären*, queeren* und questioning Personen. Von belletristischer Gegenwartsliteratur, Lyrik, Prosa, Kurzgeschichten, Illustrationen, bis zu Collagen und Fotografien - die Beiträge sind alles: mal wütend, mal traurig, viel und aufregend.


Was siehst du, was ich nicht sehe?

ein Projekt von
mehr_blick [Tam* (hen) und Tamo* (hen)]
mehr_blick 

In dem Projekt „Was siehst du, was ich nicht sehe?“ werden so genannte „Lesebrillen“ entworfen. Die "Lesebrillen" sollen als eigenes Objekt zu Büchern "hinzugefügt" werden und ermöglichen, durch darin enthaltene Fragen und Denkanstöße die im Buch dargestellten Inhalte kritisch zu reflektieren. Die Entwicklung der Brillen und des Designs sind Teil des Projekts. Mit den „Lesebrillen“ kann dann Kinder- und Jugendliteratur als Instrument für ein mehrdimensionaleres Lernen und Lesen genutzt werden, das auch queere Perspektiven einschließt.

„Viele Geschichten, die in Bilder- und Kinderbüchern erzählt werden, repräsentieren keine Perspektiven in Bezug auf Queerness, Familienvielfalt, Geschlecht, Identität und die dargestellten Rollenbilder. Viele Darstellungen sind problematisch und eindimensional statt intersektional und diskriminierungssensibel. Es besteht ein großer Bedarf an innovativen Ansätzen, um mit diesen Lücken umzugehen und neue Wege zu finden, um eine Reflexion und einen Dialog darüber in Gang zu setzen. Neben queeren Themen kann im Rahmen dieses Projekts auch Sichtbarkeit für andere Formen von Diskriminierung geschaffen werden." (Tam* und Tamo*)

Veranstaltung | "Ich sehe was, was du nicht siehst" - Eine queere Bilderbuchgeschichte

Sonntag, den 23.01.2022 | 13.00 bis 16.00 Uhr

Amerika-Gedenkbibliothek | Kinder- und Jugendbibliothek

Wir lesen mit euch eine queere Bilderbuchgeschichte und danach wollen wir zusammen mal etwas genauer hinschauen. Dafür bringen wir unsere gebastelten "Lesebrillen" mit - und ihr seid die ersten, die sie ausprobieren dürft. Seit gespannt: Sehe ich was, das du nicht siehst? Was entdeckst du, das für mich neu ist? Erzählt uns, was ihr daran toll, doof oder lustig findet. Und

Ihr seid 5-10 Jahre alt? Schnappt euch einen älteren Menschen, der schon lesen kann und geht mit uns auf Entdeckungsreise. Wir freuen uns auf euch!