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Das Archiv ist Stille. Der Obertongesang der Lüftungs­anlage, ab und an ferne Schritte, mehr ist hier nicht zu hören. Die Musik, die hier aufbewahrt wird, ist ebenso still. Nur die Hüllen der Platten können nicht schweigen. Ihre Bilder und Texte diskutieren und ver­sprechen, erklären und argumentieren. Erst auf dem Plattenteller, oben im Tageslicht der Gegenwart, werden die hier festgehaltene Kreativität und Neugier wieder zu Schallwellen.

 

Kurz nach dem 2. Weltkrieg begann der französische Ingenieur Pierre Schaeffer mit Tonaufnahmen zu experimentieren. Sein Interesse galt jedoch nicht deren eigentlichem Zweck einer reinen Musikwiedergabe. Dem Zeitgeist einer radikalen Neuerung entsprechend, verfolgte er das Ziel, das Musikhören selbst neu zu erfinden. François Bayle und viele andere führten diese Arbeit später fort. Als eine eigenständige akustische Lyrik der Klangtransformation – wenn sich das Meeresrauschen auf abrupte Augenblicke verdichtet, die Glockenklänge ins Unendliche gestreckt werden, wenn Alltagsgeräusche, Stimmen, Orte und schließlich die Artefakte des Mediums selbst zu Musik werden – zeigen ihre Arbeiten auf, was es bedeutet, ohne Bilder und ohne Umwege zuzuhören.