Alissa Wenz Die Komponistin
Mélanie Bonis (1858-1937) gehört zu den Komponistinnen, die hierzulande erst seit den Nullerjahren (wieder-)entdeckt und zu Recht mit neuen Aufnahmen gewürdigt werden. Bonis‘ ca. 300 spätromantische bis impressionistische Werke sind verwandt mit Debussy und Fauré; sie wurden schon damals unter dem Pseudonym Mel Bonis gedruckt und sogar prämiert, z.B. das Klavierstück „Omphale“ im Rahmen des Kompositionswettbewerbs der Berliner Zeitschrift „Signale für die musikalische Welt“ (1910). Das außergewöhnliche Leben der Pariser Komponistin war geprägt durch tragische Brüche und Verluste sowie durch eine Zwangsheirat mit einem älteren Geschäftsmann. Doch diese Ehe ermöglichte ihr auch Wohlstand, Zeit zum Komponieren sowie eine große Familie, deren Nachkommen ihren Nachlass sorgfältig dokumentiert haben. Christine Géliot veröffentlichte 2009 sogar eine ausführliche Biografie ihrer Urgroßmutter, die 2015 ins Deutsche übersetzt wurde. So konnte sich die Autorin und Komponistin Alissa Wenz für ihren 2025 in Paris erschienenen Roman über Mel Bonis („Le désir dans la cage“) auf ein Gerüst von Fakten stützen, das sie mit frei erfundenen Begebenheiten illustriert hat. Sie greift in chronologischer Reihung markante Lebensereignisse heraus und spürt anhand der Kompositionen in die Gefühlswelt ihrer Protagonistin hinein; dabei zitiert sie poetische Liedtexte ihres Geliebten, eines Ex-Kommilitonen am Pariser Conservatoire. Zudem entwirft Alissa Wenz ein plastisches Bild von den Geschehnissen und Umwälzungen der Belle Époque. Ein eindrucksvoller Roman über das Komponieren im Gegenwind starrer Konventionen, der zudem Lust macht auf die Entdeckung der Musik von Mel Bonis. (Diese Empfehlung der ZLB erschien im Newsletter "Berliner Resonanzen" des LMR Berlin)
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