Alles über das FSJK

Tachchen alle zusammen!

Ich heiße Julian, bin 19 Jahre alt und seit September 2014 hier in der schönen KiJuBi.

Seit dem ich hier mit Hilfe der LKJ an der AGB, in Zusammenarbeit mit meinem PK, ein FSJK absolviere scheint kein normaler Mensch mehr zu verstehen was ich überhaupt die ganze Zeit mache.

Die Bildungstage und der ganze Spaß (Mai 2015)

Résumé (August 2015)

Tra-Ri-Tra-Ra, der FSJler ist wieder da!

Ich bitte um Verzeihung für die Nachlässigkeit der letzten Zeit - also die fehlenden Beiträge. Nach Urlaub und Seminarfahrt und PiPaPo gab es auch noch allerlei Zukunftsmusik, die ein wenig vorkomponiert werden wollte, denn schon Ende August bin ich raus aus dem FSJK. Und darum geht es diesmal: Wie war es und wie geht es weiter?

Ersteres ist leicht zu beantworten: Schön war's!

Meine Zeit in der KiJuBi ist fast vorbei und ich blicke zurück auf jede Menge Erfahrungen: erfrischend-neue und spritzige, auch mal etwas schwierige und auch ganz alltägliche sind dabei. Um mir die Mühe einer kompletten Bibliographie zu ersparen, gehe ich systematisch am Erinnerungsregal entlang, ziehe hier da einen spannenden Titel und stelle den für euch bereit (um mal darauf hinzudeuten, dass ich wirklich in der Bibliothek war!). Ein ganz wichtiger Buchtitel lautet "KiTas am Morgen - mit einem Lächeln in den Tag" - eines meiner absoluten Highlights und mit das Hilfreichste in diesem Jahr überhaupt. Die allmorgendlichen Büchertausch- und Vorlesetermine waren nicht nur eine Wonne, weil ganz viele süße Kids sich freuten, mich zu sehen, sondern weil sie mich auch zu der Erkenntnis geführt haben, dass ich definitiv früher oder später mal in einer Institution mit Kindern arbeiten werde.

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"Von der Kunst Anzukommen" oder "Wie ich den Weg nach Hause fand"

wäre auf jeden Fall noch ein wichtiger Titel in meiner Bibliographie. In diesem ist so all das niedergeschrieben, was mir passierte, als ich ganz neu in Groß-Berlin war: die Entwicklung eines Freundeskreises; das Zurechtfinden in dem bunten-abstakten Kunstwerk namens "Berlin Liniennetz"; das Kennenlernen des KiJuBi-Teams, meiner Zuständigkeiten und Aufgaben. Ganz abgeschlossen ist dieses Werk noch nicht. Es fehlen noch die Fortsetzungen "Umzug" und "Studienbeginn" - dies ist dem Autor nachzusehen - er hat viel um die Ohren.

Außerdem ist meine Bibliographie seitenweise mit Kurzgeschichten gefüllt. Kurzgeschichten mit Porträtfotos und Situationsberichten, von all meinen lieben Kollgen und Kolleginnen, also wirklich allen. Ob es nun ein rührender Einblick in eine Biographie, der Tipp eines genialen Films oder ein/zwei schlichte Erklärungen waren – wenn ich an die Menschen hier denke gibt es guten Grund ein wenig sentimental zu werden und damit auch ein Grund, dankbar zu sein. Vielleicht, weil ich schon ein paar Dinge zuvor lernen musste, vielleicht, weil ich schon pragmatisch an das FSJK ranging, jedenfalls war es keine Epiphanie für mich. Aber ich glaube, es war eine wunderbare Möglichkeit, mein Leben zu bereichern und einen Start zu haben, oder solch einen vorzubereiten. Und so viel weiß ich genau: Es war kein Fehler, es war  gut! :)

Ja unnu?

Nu geht's an an die Alice-Salomon-Hochschule "Soziale Arbeit" studieren. Das ist - glaube ich - genau mein Ding. Abgesehen davon, dass die Hochschhule ungefähr alle meine Wünsche erfüllt, wird es mir großen Spaß machen, endlich wieder geregelt etwas zu lernen und mich auszuprobieren. Ich freue mich riesig darauf und werde nebenbei und davor ein bisschen jobben. Achja und im November will ich umziehen, mit meiner liebsten Herzensfreundin.

Soweit war es das auch schon von mir. Im nächsten und wirklich letzten Beitrag erzähle ich etwas über mein Projekt – das wird lustig (mensch achte auf den ausladenden Gestus!)

Die Bildungstage und der ganze Spaß (Teil 4, Mai 2015)

Back from the underground, back for more - back from the ...äh... Seminarfahrt - zugegeben kein ganz glatter Einstieg aber darum geht es diesmal: um die Seminarfahrten.

Im Rahmen des Freiwilligen Dienstes (August bis August) gibt es vier solcher Fahrten. Damit werden die gesetzlich festgeschriebenen 26 Bildungstage ausgefüllt: "Was passiert denn da und wozu?" - hier ein kleiner Erfahrungsbericht von meiner Seminarfahrt Ende Februar:

Morgens in die Bahn mit einer Tasse Kaffee, die mich aber gänzlich unbefriedigt lässt. Nach einer dreiviertel Stunde Fahrt taucht Kurt Löwenstein vor uns auf. Eine Mischung aus Kinderheim und Psychiatrie, dafür aber wunderschön gelegen und auf jeden Fall charmant. Nach der Ankunft kommt das Mittagessen und hier komme ich zum eigentlichen KERN JEDES SEMINARS: das ESSEN.

Fünf Tage Vollverpflegung: reiches Frühstück, gefolgt vom warmen Mittagessen, auch die Kaffee-Kuchen-Pausen dürfen nicht fehlen. Vergesst mir bloß nicht den Nachtisch beim Dinner! Und wehe der "Nachtkühlschrank" ist nicht gefüllt! Oh ja, der Lebenskomfort samt harter Matratze und frischer Luft steigt deutlich in den Tiefen Brandenburgs:

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Werftpfuhl, feel the experience!

Auf die freudige Wiedervereinigung mit dem normalen Kalorienbedarf eines Menschen, folgt ein kleines Spiel, danach Reflexionsrunden und eine Übung und schon ist der erste Tag vorbei. Am zweiten Tag starten die Werkstätten: in Blöcken von ungefähr 4 Stunden arbeiten wir miteinander. In den Pausen versuche ich immer raus in den angrenzenden Wald zu kommen und die Abende sind gefüllt von Trashparties, Open Stages, Chillen, Billiard, Chillen, Gruppenspielen, Chillen und Zeit im offenen Atelier - schon schön so.

Ich war diesmal im Workshop "Betzavta: Demokratie-Training". Mit den Gruppenübungen und Auswertungen, Reflexionen und Feedbacks erinnerte mich das sehr an meinen letzten Workshop "Methoden der Jugendarbeit". Ich hätte mich rückblickend vielleicht für etwas Kreatives wie "Impro-Theater" oder "Schwarz-Weiß-Fotografie" entscheiden sollen. Doch auch so war die Werkstatt sehr nett und hat mir einiges an persönlichem AHA-Effekt und Erkenntnis gebracht (z.B. dass Freiheit immer Grenzen hat, diese aber Mensch immer selbst definieren kann/soll/muss). Ganz zu schweigen von der super schönen und interessanten Trainerin.

Nach fast einer Woche "Klassenfahrt" bin ich am Ende doch wieder glücklich allein in meiner Wohnung anzukommen und nur noch zwei Menschen (meine Mitbewohnerinnen) und nicht  40 um mich zu haben.

Trotzdem möchte ich diese Fahrten auf keinen Fall missen: mal trotz schmalen Budgets (monatlich 300 EUR) so richtig das Leben für lau genießen und den eigenen Horizont um interessante Philosophien, neue Begegnungen und Ideen zu dehnen und zu strecken.

Die Seminarfahrten gehören einfach dazu - und das ist auch gut so!

Die Orientierung(-slosigkeit) (März 2015)

Die Orientierung(-slosigkeit) (Teil 3, März 2015)

Es ist die Halbzeit erreicht und jetzt wird es mal Zeit sich mit dem Ernst des Lebens und einem Teilaspekt des FSJK zu beschäftigen: der Orientierung für das spätere Leben.

Während mir bekannt ist, dass so manche Einsatzstellen im Theater so anstrengend und persönlich einfordernd sind, wie eine feste Anstellung, gibt es andere, die trocken berichten ihr Aufgabenfeld habe verblüffende Ähnlichkeit mit der eines Anrufbeantworters. Demnach sind Einige zwar ausgelaugt, dafür aber total drin und auf dem Weg ins Leben, Andere ausgeruht aber eher planlos in Bezug auf das "Danach".

Zu mir kann ich sagen, dass dieses FSJ sicher keine Erleuchtung ist. Ich werde kein Bibliothekar. Aber das wussten ich und die Herrschaften, die mich auswählten, auch schon zuvor. Die Arbeit und die Stelle hier sind für mich also kein Wegweiser gen Zukunft, aber ein stabiler Rahmen für Selbsterfahrung und Reflexion. Damit ist es freilich nicht weit her gewesen im ersten halben Jahr. Nicht in Großberlin. Nicht in der ersten wirklich eigenen Wohnung. Nicht mit lauter neuen und spaßigen Menschen. Aber nun, nach einiger Gewöhnungszeit und Arbeit stellt sich mir die Frage: Und dann?

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Während mir Zukunftsangst die Kehle zuschnürt und mir die gewohnte Alltagsträgheit die Fluchtwege abschneidet, zwinge ich mich rational zu bleiben. Eine lauter werdende Stimme spricht den Satz: "Der Zug ist abgefahren", während sich das schlechte Gewissen in Wellen hinter mir auftürmt, sehr viel "Du hättest/solltest/müsstest" wird angeschwemmt.

Mögliche Handlungsoptionen ?!

  • Erzieher machen - "Darauf kann man aufbauen"
  • Germanistik oder Literaturwissenschaft studieren - "Um das Genius zu generieren, das insgeheim schon in mir schlummert  ;)
  • Sozialpädagogik studieren - Arbeit mit Kindern mit Blick auf die Ausbildung zum Kinder- und Jugendtherapeut und alle so: "YEAH!"

Aber ganz ehrlich: Eigentlich flammt nur die Angst auf, die ich mit dem FSJ aufgeschoben habe. Uns wird ständig vermittelt, dass es überlebenswichtig ist sich möglichst schnell einen Plan zu machen, dieser sollte möglichst alles von persönlicher Eignung, über Identifikation, Prestige und Gehalt miteinbeziehen. Natürlich plus den Bildungsweg in Regelstudienzeit und eventuelle Familienplanung.

Ergo: Möglichst früh studieren, um dann möglichst schnell einen Beruf ergreifen zu können früh auf den Arbeitsmarkt früh die Rente planen, weil Angst vor Altersarmut mit Mitte 40 dann entweder die Midlifecrisis oder Burnout.

Ja vielleicht ist es einfach ein bisschen viel verlangt sein Glück auf 60 Jahre im Voraus zu planen. Und warum muss ich unter 22 anfangen zu studieren? Und wenn ich gar nicht so richtig sicher bin, was es denn sein soll?? Vor Allem, wenn es keine Option gibt, sich erstmal 2 Semester lang auszuprobieren???

Vielleicht ist es doch besser ohne Masterplan, dafür mit einer Weltkarte reisen zu gehen und dann entspannt und selbstsicher seinem Interesse zu folgen. Darauf hoffend, dass Mensch seine Nische schon findet.

Ich zumindest mache jetzt erstmal dieses Jahr zu Ende. Dabei halte ich die Augen offen für alles was am Wegrand auf mich wartet.
Julian_2014/15

Die Jurte - ein Zauberzelt (Januar 2015)

Diesen Teil widme ich einzig und allein der Jurte- sie hat nicht weniger verdient.

Für alle die durch einen großen Zufall nur auf diesen Teil der Webseite gekommen sind, oder sonst eine faule Ausrede für ihre Unwissenheit haben:

In unserem Innenhof steht eine mongolische Jurte!

Den ganzen Herbst und Winter hindurch werden hier Geschichten erzählt. Das heißt sie werden nicht vorgelesen, sondern wirklich frei erzählt. Oft unterstützt durch Requisiten, Gesang und natürlich Bewegung schaffen die Erzählerinnen von Erzählzeit e.V. etwas unheimlich Schwieriges: bis zu 30 Kinder gemischten Alters eine Stunde lang aufmerksam bei der Sache zu halten.

Ich setze mich nach Möglichkeit dazu und mache meinen persönlichen Test: ich schließe die Augen und schaue was passiert. Ich war immer sehr auditiv unterwegs und habe lange Zeit (Vor)Lesungen dem Selber-Lesen vorgezogen, was mir eine unglaubliche Begeisterung für die Erzählstunden in der Jurte eingebracht hat.

Die Jurte geht nun aber über eine Lesung hinaus: ein ganz realer Mensch öffnet einem "die Märchentür". Es kann schon einmal vorkommen, dass ich ganz unbewusst miteintrete und es erst merke wenn der  Schlüssel im Mundschloss der Märchenmacherin knackt. Und auch wenn ich durch die schön bemalte Tür wieder ins "real live life" trete, gerade noch daran denke die Teilnehmendenzahl für die Statistik nicht zu vergessen, bleibe ich noch ganz bezählt. Natürlich spielt der originelle Ort und dessen spezielle und ausgesprochen lauschige Atmosphäre eine große Rolle. Dieses drinnen im Draußen sein, vielleicht die mongolische Magie dieses Versammlungsortes - wunderschön! Und natürlich die nicht abzuerkennenden Skills der Damen die den Zauber bewerkstelligen, meine Komplimente!

Mehr noch als ich, sind allerdings die Kinder verzaubert von den Geschichten. Dieser ruhig verklärte Gesichtsausdruck und ein wenig erhitzte Röte auf den ohnehin schon rosigen Wangen - ganz herzerwärmend ist das! Und das Alles darf ich betreuen, d.h. ich heize die Jurte für die Kleinen und Großen vor, stelle ein Gläschen Wasser oder einen Tee bereit, spreche den Einlass mit den Erzählerinnen ab und zähle schließlich die Teilnehmenden für unsere Statistik. Klingt unspannend, ist es auch - aber schön!

Nun kann ich mich bestimmt darauf vorbereiten, niemals wieder einen freien Platz in der Jurte zu ergattern, weil ich sie hier so hoch gelobt habe. Nicht schlimm, denn diese schöne Erfahrung will ich einem Kind auf keinen Fall vorenthalten, denn unsere Türpolitik (ja, dass ist auch in anderen Institutionen als dem Berghain üblich) heißt: Kein Kind? Kein Eintritt!- naja nicht wirklich, aber in die Richtung gehend. Soviel dazu...

Liebe Grüße und eine schöne (Jurten)Zeit!

Erste Verwirrung (Oktober 2014)

Warum? Wieso? Weshalb? und überhaupt... Zum semieffizienten Kürzeldropping, hier eine kleine einführende Legende:

Kürzeldropping

Freiwilliges Soziales Jahr Kultur: Ist im Grunde ein ganz normales Freiwilliges Jahr, bietet dabei allerdings die Möglichkeit in spezielle Betriebe - nämlich Kulturinstitutionen - reinzuschnuppern. Anders als bei einem Praktikum wird Mensch hier tatsächlich für ein Jahr als fester Bestandteil behandelt, bekommt die Möglichkeit selbstständig Aufgaben zu übernehmen und auch ganz in Eigenregie ein Projekt auf die Beine zu stellen, in dessen Gestaltung freie Hand gelassen wird.

Die Kinder- und Jugendbibliothek der ZLB ist unsere schöne kleine Bibliothek im Anbau der Amerika-Gedenkbibliothek(=AGB) - meine Einsatzstelle für dieses Jahr. Hier betreue ich maßgeblich die KiTa Führungen mit, samt einführenden Erläuterungen, Vorlesestunden und was mir sonst noch einfällt und gestattet ist. Ansonsten gibt es da noch allerlei andere Veranstaltungen und Projekte die ich begleite und auch mitgestalten kann, sowie auch einige feste Aufgaben, das Monatsrätsel bspw.

Projektkoordinierende - der Name erklärt nicht viel - ist in meinem Fall eine unheimlich liebe Dame der LKJ (Landesvereinigung für kulturelle Jugendbildung) die ganz aufmerksam achtgibt, dass kein Schund mit meiner Zeit und Arbeitskraft getrieben wird. Ich muss mir also keine Sorgen darum machen, meine einsamen Morgende mit Kopieren und Kaffee kochen zu verbringen und darüber hinaus hin und wieder mal   die Leertaste drücken zu dürfen. (Es kommt aber wie überall im Leben natürlich auch hier mal zu eher langweiligen Tätigkeiten)

Jetzt sollte Einiges etwas klarer geworden sein. So klar zumindest wie ich es nach dem knappen Monat Eingewöhnung sehen kann.

Für Interessierte wäre es aber bestimmt noch nett zu erfahren, Warum man so ein FSJK überhaupt macht und wie es zu einer Bibliothek als Einsatzstelle kommt:

Für mich persönlich war nach der Schule klar, dass ich nicht direkt studieren möchte; Erst einmal keine weitere Ausbildung sondern ein bisschen reales Leben, nach Möglichkeit aber immer noch in einem geregelten Rahmen, der mir persönlich etwas bringt. Als ich dann vom FSJK erfuhr, habe ich mich ganz wild beworben, in vielen Ländern, bei vielen Organisationen unter denen mir dann die ZLB mit am meisten,  vor Allem aber am schnellsten zugesagt hat. Ich bin ein sehr kinder- und literaturaffiner Mensch und deshalb von meinem Profil, was bei der Vermittlung berücksichtigt wurde, geeignet und das fanden glücklicherweise auch meine Vorgesetzten. Diese haben übrigens schon seit rund sieben Jahren Ver(w)irrte Freiwillige als jährlich wechselndes Mitglied im Betrieb und damit gute Erfahrungen gesammelt. Nun Schluss - aber nur fürs Erste - denn ich werde in den nächsten Monaten weiter berichten was beliebt und erlaubt ist.

Bis bald also!