Bibliothek findet Stadt – Stadt findet Bibliothek

Über den Auftakt der Beteiligungsprozesse zum Neubau der ZLB

Seit Sommer 2018 stand fest: Am Standort der Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) soll eine neue Metropolenbibliothek für alle Berliner*innen entstehen. Mit dem Neubau am zentral gelegenen, hervorragend angebundenen und von den Besucher*innen gut angenommenen Standort Amerika-Gedenkbibliothek wird nun für Berlin und bundesweit ein wichtiges kultur- und bildungspolitisches Signal gesetzt. Die ZLB versteht sich dabei als Treffpunkt der Stadtgesellschaft, als Ort der Wissensvermittlung und Demokratie, als Lern- und Aktionsraum sowie als offener Raum, der für alle zugänglich ist. Im überhaupt ersten Schritt haben wir direkt im Sommer 2018 einen Themenraum gestartet und die Berliner*innen gefragt: Was brauchen Sie für eine Bibliothek, um die Welt zu verändern? Die Ergebnisse sind in die Bibliothekskonzeption eingeflossen.

Das soll die künftige ZLB nach diesen Wünschen werden

  • eine Bibliothek mit viel Platz
  • eine schöne und gleichzeitig funktionale Bibliothek
  • eine Bibliothek, die laut und leise sein kann
  • eine Bibliothek mit einem vielfältigen Angebot an Medien und Programm - digital und analog
  • eine Bibliothek, die auch draußen stattfindet.
  • eine Bibliothek für Alle, die niemanden ausschließt
Was brauchst du/brauchen Sie für eine Bibliothek, um die Welt zu verändern?

"Was brauchst du/brauchen Sie für eine Bibliothek, um die Welt zu verändern?"

Die Berliner*innen beteiligten sich mit rund 2.300 Ideen- und Wünschzetteln und unzählbaren Anregungen in persönlichen Gesprächen. "Bibliothek findet Stadt - Stadt findet Bibliothek", der Themenraum in der AGB war Wissens-, Informations- und Diskussionsort. Er gab Einblicke in die Berliner Partizipationslandschaft, zeigte die lange Geschichte der Standortsuche für die Zentral- und Landesbibliothek Berlin und ermöglichte Eindrücke neuerer Metropolenbibliotheken aus der ganzen Welt. Bereitgestellte Basisliteratur, aktuelle Berichte sowie empfohlene Literatur durch Gäste und Bibliotheksnutzer*innen und das lebendige Herzstück des Themenraums, die wachsende Ideenwand: Nutzer*innen, Mitarbeiter*innen sowie Gäste aus der ganzen Welt hinterließen ihre Wünsche und Anregungen für die Bibliothek. Diskussionsveranstaltungen ergänzten das Angebot und ein mobiler Themenraum, ein eigens entworfenes Lastenfahrrad, sammelte Ideen in der gesamten Stadt. In Bibliotheken aller Berliner Bezirke luden Kommentarwände ebenfalls zur Wunschproduktion ein. Die Ideenwand wurde in einem digitalen Themenraum auf der Beteiligungsplattform mein.berlin.de fortgeführt. Und wie in jedem Themenraum gab es auch diesmal eine Bibliografie zu den Themen - hier ist sie digital für Sie hinterlegt.

    Eine Bibliothek, die die Welt verändert, braucht ...

    … Raum

    Rund 800 Mal beinhalten Ideenzettel Wünsche zu Raum und Infrastruktur. Damit wird deutlich, wie sehr die aktuell knappe Raumsituation die Nutzer*innen beschäftigt. Wünsche nach Ruheräumen zum Lesen, Lernen und Arbeiten, nach einem Café, Gruppenräumen zum gemeinsamen Austausch und Arbeiten und nach Arbeitsplätzen sind benannt. Atmosphäre und gute Möblierung sollen die Bibliothek als Aufenthaltsort stärken. Räume zur Produktivität und für kreatives Arbeiten sind den Nutzenden ganz besonders wichtig. Zentral war für die Ideengeber*innen die Erreichbarkeit, aber auch Barrierefreiheit und Sauberkeit sind zentrale Komponenten, die für alle eine Rolle spielen in der neuen Bibliothek. Auch mit den Außenräumen haben sich die Nutzer*innen beschäftigt und eine grüne Gestaltung des Umfelds und nachhaltiges Bauen gewünscht.

    … Programmatik

    Medien, Netzwerke, Service, Öffnungszeiten und Veranstaltungen, vor allem Schulungen und Beratungen sind Themen, die hier genannt sind. Gedruckte Medien wie Bücher, Zeitungen und Zeitschriften soll die Bibliothek in großem Umfang und hoher Bandbreite anbieten, gern auch vieles in Freihand, also direkt zugänglich für die Nutzenden, aber auch das digitale Angebot erweitern. Veranstaltungen für Information und Bildung sind ein großer Wunsch auf den Ideenzetteln. Und nicht zuletzt wünschen sich die Befragten eine Zusammenarbeit mit anderen Bildungseinrichtungen, auch Kindergärten und Schulen. All dies auch sehr erwünscht mit erweiterten Öffnungszeiten, auch am Sonntag.

    Zusammengefasst

    Die Ideen und Ansprüche der Berliner*innen an den Neubau der ZLB sind vielfältig. Und die künftige Bibliothek wird mit den Widersprüchen umgehen müssen. Denn ein Ort soll entstehen, der komfortabel, ästhetisch und gleichzeitig funktional ist, der laut und leise sein kann. Ein Haus, das Platz für individuelle und gemeinschaftliche Nutzungen bereitstellt, das lernend und lebendig ist, das vielfältige Angebote ermöglicht - sowohl mediennah als auch medienfern - das lokal verankert ist und sich international öffnet, das von früh morgens bis spät abends zugänglich ist, aber vor allem ein Ort, der Platz für alle bereit stellt und niemanden ausschließt.

    Dabei gilt es Bewährtes zu bewahren und zugleich Neues zu wagen. Die Bereitstellung von (hauptsächlich physischen) Medien soll dabei auch in Zukunft eine wichtige Aufgabe der Bibliothek sein. Aber auch der Wunsch nach Weiterentwicklung der Aufgabenfelder ist spürbar. Die Nutzer*innen sehen dabei die Bibliothek zunehmend als produktiven Ort, der flexible Arbeitsräume und modernes Equipment als Infrastruktur bereitstellt. Cafés, futuristische Lounges und grüne Dachgärten laden daneben zum Lesen und Entspannen ein. Nicht zuletzt wird auch der Wunsch deutlich, die Rolle der Bibliothek als Zentrum für die Gemeinschaft(en) auszubauen und mit vielfältigen Akteur*innen aus der Stadtgesellschaft wie Vereinen, Initiativen, eigenorganisierten Interessengruppen zusammenzuarbeiten. Die Bibliothek sollte Raum und Sichtbarkeit für zivilgesellschaftlich engagierte Menschen bieten.

    Wer sich mehr vertiefen möchte, hier finden Sie die Abschlussdokumentation zum Themenraum "Bibliothek findet Stadt - Stadt findet Bibliothek".

    Mit dem Neubau wird die ZLB ihre Rolle für die Wissensvermittlung, als Plattform der Stadtgesellschaft sowie als Lern- und Aktionsraum aller Bürger*innen Berlins noch besser wahrnehmen können.

    Wie ging es weiter?

    In intensiver Kooperation mit den beteiligten Verwaltungen erfolgte Ende 2019/Anfang 2020 der nächste Schritt: eine städtebauliche Machbarkeitsstudie.