Außenraum | Städtebauliche Umsetzung

Im Herbst 2019 bis Frühjahr 2020 wurde ein Dialogverfahren "städtebauliche Machbarkeitsstudie ZLB am Blücherplatz" durchgeführt. Hier diskutierten Stadtplaner*innen, Architekt*innen, Landschaftsplaner*innen, Verkehrsplaner*innen, Biblbiothekar*innen und Bürger*innen miteinander darüber, wie der Neubau auf dem Gelände an der AGB gut eingepasst werden kann. Besondere Beachtung fand dabei der Umgang mit dem Baudenkmal der Amerika-Gedenkbibliothek, mit der Grünanlage am Blücherplatz und der komplexen Verkehrssituation sowie mit der Blücherstraße. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage der weiteren Planung des Neubaus und der Freianlagen.

Zentrale Erkenntnisse
Verschiedene teilweise einander entgegenstehende Zielvorgaben wurden untersucht. Der Arbeitsprozess des Dialogverfahrens hat diese Erkenntnisse für den Standort der neuen ZLB am Blücherplatz gebracht:

  • Die städtebauliche Machbarkeit konnte nachgewiesen werden, die auch von der Öffentlichkeit mitgetragen wird. Das Projekt erfreut sich starker Unterstützung aus der Öffentlichkeit.
  • Der Blücherplatz ist von Bebauung weitgehend freizuhalten.
  • Der Neubau der ZLB muss sich behutsam zum denkmalgeschützten Altbau der Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) verhalten. Zwischen dem historischen Gebäude der AGB und einem Neubau muss eine großzügige Verbindung entstehen.
  • Die Erdgeschosse der Bibliotheksbauten müssen sich eng mit dem öffentlichen Außenraum verzahnen. - Wichtige Elemente eines vernetzen Freiraums sind neben dem Ausbau des Blücherplatzes zu einem städtischen Platz die freiraumplanerische Anknüpfung an den südlich gelegenen Friedhof und der Erhalt von Erholungsflächen und wichtiger Wegeverbindungen.
  • Im Süden des Plangebiets wurde im Prozess die Möglichkeit erarbeitet, die Blücherstraße für den Autoverkehr zu schließen und dort eine Mobilitätsachse zu entwickeln. Dadurch sollen neue, attraktive Verbindungen zum Blücherplatz entstehen und die Insellage aufgelöst werden.

 

Wie geht es weiter?
Die beteiligten Verwaltungen und Institutionen werden den Weg weiterhin gemeinschaftlich weitergehen und die Öffentlichkeit kontinuierlich über den Fortgang des Projekts aktiv informieren und zentrale Fragen erörtern.

Wie entstand die Machbarkeitsstudie?

Hintergrund – Ein neuer zentraler Standort für die ZLB
Die Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) ist die größte öffentliche Bibliothek Deutschlands. Sie hatte im Jahr 2019 über 1,5 Millionen Besucherinnen und Besucher und ist damit die am besten besuchte Kultureinrichtung Berlins. Sie ist gegenwärtig in der Stadt aufgeteilt auf zwei Publikumsstandorte und ein Außenmagazin – räumliche Bedingungen, die unzureichend und nicht bedarfsgerecht sind. Im Juni 2018 hat der Berliner Senat nach einer intensiven Prüfung unterschiedlicher Standorte entschieden, die ZLB am Blücherplatz zu errichten – ergänzend zu ihrem Gebäude Amerika-Gedenkbibliothek.

Eine innovative Bibliothek am Standort Blücherplatz
Als Metropolenbibliothek soll die neue ZLB mit voraussichtlich 38.000 m² Nutzfläche ein Ort der Informations- und Wissensvermittlung, vor allem aber ein identitätsstiftender, gemeinsamer Ort für die Berlinerinnen und Berliner sein und Vielfalt und Zusammenleben in der Metropole fördern. Mit ihrem Medien- und Dienstleistungsangebot, attraktiven Räumen, Begegnungs-, Aufenthalts- und Arbeitsmöglichkeiten sowie Gastronomie- und Veranstaltungsangeboten soll die ZLB zu einem Knotenpunkt für Kultur, Bildung, Chancengleichheit, Freizeitgestaltung und gesellschaftlichem Engagement werden und internationale Ausstrahlung entfalten.

Das Planungsgebiet liegt im Sanierungsgebiet "Südliche Friedrichstadt". Es wird im Norden begrenzt vom Landwehrkanal, im Osten von der Zossener Straße, im Süden von der Blücherstraße und im Westen vom Blücherplatz. Prägend für das Areal um den Blücherplatz sind heute neben der denkmalgeschützten Amerika-Gedenkbibliothek die Grünanlage samt Baumbestand sowie wichtige Verkehrstrassen, die das Gebiet tangieren. Im Zuge der Entwicklung der ZLB am Blücherplatz geht es darum einen neuen, hochwertigen Stadtraum für die Öffentlichkeit zu entwickeln – an diesem Ort findet Bibliothek Stadt, und Stadt findet Bibliothek.

Dialogverfahren – Gemeinsam Stadt entwickeln
Die neue ZLB wird ergänzend zur Amerika-Gedenkbibliothek weitere Gebäudeteile benötigen und den Blücherplatz städtebaulich verändern. Der Frage, wie dies auf eine verträgliche und positive Weise geschehen kann, widmete sich das interdisziplinäre Planungsteam bestehend aus David Chipperfield Architects (Architektur), Urban Catalyst (Städtebau und Freiraumplanung) und LK Argus (Verkehrsplanung). Das Planungsteam entwarf b unterschiedliche städtebauliche Lösungsansätze und diskutierte anhand dieser in einer Reihe von öffentlichen Veranstaltungen die Rahmenbedingungen der künftigen Planung. Das konkrete städtebauliche, architektonische und freiraumplanerische Konzept wird im Anschluss an diese Machbarkeitsstudie in einem Architekturwettbewerb ermittelt werden.

Der intensive Dialog mit der Öffentlichkeit und den zahlreichen beteiligten Verwaltungen begann mit Stadtspaziergängen und einer Auftaktveranstaltung. Zwei Informationsveranstaltungen dienten der Präsentation des jeweils aktuellen Planungsstands und ermöglichten den Austausch zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Planungsteam und Fachleuten. In zwei nachfolgenden Planungswerkstätten wurde konstruktiv und leidenschaftlich an Plänen und Modellen gearbeitet, um zueinander in Konkurrenz stehende Ziele und Anforderungen aufzulösen, z. B. zwischen dem Denkmalschutz der Amerika-Gedenkbibliothek und einer optimalen Nutzung der ZLB in Altbau und Neubau. In respektvollem Miteinander aller Mitwirkenden und der enormen Kompromissbereitschaft konnten so die Gestaltungsmöglichkeiten für die ZLB am Blücherplatz deutlich erweitert werden.

Wichtige Akteure dieses transparenten und kooperativen Dialogverfahrens waren ein Bürgerinnen- und Bürger-Gremium sowie ein Beraterinnen- und Berater-Gremium, welche die unterschiedlichen Positionen an einem Tisch versammelten und den Aushandlungsprozess wesentlich prägten. Durch die Formulierung von Hinweisen zu den jeweiligen Planungsergebnissen konnten die Gremien ihre untereinander abgewogenen Standpunkte an das Planungsteam adressieren und den Prozess mitgestalten.

Diskutiert wurden die Ergebnisse unter anderem mit dem Senator Dr. Klaus Lederer, Senatsverwaltung für Kultur und Europa, mit Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, Senatsverwaltung Stadtentwicklung und Wohnen, mit dem Baustadtrat Florian Schmidt, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, mit Herrn Horst Wohlfarth von Alm, Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und natürlich mit Vertreter*innen der ZLB, unter anderem dem Generaldirektor Volker Heller.

Veranstaltet wurde die Reihe von der:

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen
www.stadtentwicklung.berlin.de/staedtebau 

in Kooperation mit
Senatsverwaltung für Kultur und Europa
Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
Landesdenkmalamt Berlin
Berliner Immobilienmanagement
Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Prozessbegleitung des Dialogverfahrens hatte das Hamburger büro luchterhandt. stadtplaner architekten landschaftsarchitekten.