Sie stehen vor einem Stück Berliner Zeitgeschichte. Zum 125-jährigen Jubiläum der Berliner Stadtbibliothek wollten wir Ihnen unsere Schätze visuell so groß und nahbar wie möglich präsentieren. Doch beim genaueren Hinsehen bemerken Sie vielleicht Seltsames: Buchstaben, die keinen Sinn ergeben, oder „verwürfelte“ Wörter.
Original
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KI-druckoptimiert mit Buchstabensalat
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Unsere Entscheidung: Wirkung vor Perfektion
Warum sieht das Bild so aus?
Die Original-Negative vieler dieser Aufnahmen sind über die Jahrzehnte leider verloren gegangen. Uns lagen oft nur kleine Abzüge oder Scans in geringer Auflösung vor. Um diese auf A1-Größe zu bringen, ohne dass sie komplett unscharf oder „pixelig“ wirken, haben wir uns für einen technologischen Hilfsgriff entschieden: generative KI-Vergrößerung (Upscaling).
Unsere Abwägung:
In der täglichen Bibliotheksarbeit setzen wir bewusst nicht auf generative KI, um Inhalte zu verändern oder zu erfinden – wir stehen für verlässliche Quellen und Fakten. Hier standen wir jedoch vor einer Wahl:
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Die Fotos klein im Archiv lassen (und sie Ihnen somit vorenthalten).
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Die Fotos mit enormem Kosten- und Zeitaufwand händisch von Experten restaurieren lassen (was bei der Menge der Bilder nicht realisierbar war).
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Die KI als Werkzeug nutzen, um die Atmosphäre der Bilder im Großformat erlebbar zu machen – bei bewusster Inkaufnahme kleinerer Fehler.
Wir haben uns für die Sichtbarkeit entschieden, auch um mit Ihnen dazu in den Austausch zu kommen.
Hinter den Kulissen: So sind wir vorgegangen
Für die Ausstellung haben wir das Tool „Generative Füllung“ bzw. „Super Resolution“ von Adobe Photoshop genutzt.
Der Prozess:
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Analyse: Die KI analysiert die vorhandenen Pixel des kleinen Bildes.
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Interpretation: Da beim Vergrößern Bildinformationen fehlen, „erfindet“ die KI neue Pixel dazu, die optisch zu den Nachbarpixeln passen.
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Die Schwachstelle: KI „versteht“ keine Sprache. Sie sieht ein Wort wie „Ausleihe“ nicht als Begriff, sondern als eine Anordnung von Formen. Beim Versuch, diese Formen hochauflösend neu zu zeichnen, setzt sie die Fragmente oft falsch zusammen. Es entsteht eine Art „optischer Buchstabensalat“.
Fazit & Dialog
Ein Experiment in Medienkompetenz Diese Bilder sind ein perfektes Beispiel dafür, wie weit KI-Technologie bereits ist – und wo ihre Grenzen liegen. Sie hilft uns, Vergangenes großformatig sichtbar zu machen, erfordert aber einen kritischen Blick der Betrachter:innen.
Was denken Sie? War die Entscheidung richtig, die Bilder trotz der Fehler groß auszustellen?
Schreiben Sie uns!
Hier nun im Original: Die ausgestellten Bilder
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Zeitungslesesaal Berliner Stadtbibliothek 1924-1930
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Leesesaal im Spreeflügel Berliner Stadtbibliothek 30er Jahre
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Leesesaal im Spreeflügel Berliner Stadtbibliothek 30er Jahre
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Stapelbestände im Magazin der Berliner Stadtbibliothek 1946
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Leeseraum Berliner Stadtbibliothek 1952
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Eingangsbereich der Ausleihe Berliner Stadtbibliothek 1954
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AGB-Magazin 1955
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Berliner Stadtbibliothek
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Aufsicht im Katalograum Berliner Stadtbibliothek 50er Jahre
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Buchausgabe, Bestellscheinannahme im Neubau der Berliner Stadtbibliothek 1966
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Katalograum Anmeldung Berliner Stadtbibliothek
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Foyer Berliner Stadtbibliothek 2000
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Katalograum Berliner Stadtbibliothek 2001
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