Sonntagsöffnung für Öffentliche Bibliotheken

Öffentliche Bibliotheken in den Großstädten haben anders als andere Kulturbetriebe wie Theater, Museen, Konzerthäuser, Universitätsbibliotheken, Kinos etc. an Sonntagen geschlossen. Das liegt nicht etwa am Unwillen der Bibliotheken, sondern daran, dass ihnen die Sonntagsöffnung gesetzlich verboten ist.

Aufgrund von § 9 ArbZG (Arbeitszeitgesetz) ist eine Sonntagsöffnung für öffentliche Bibliotheken aufgrund der Sonn- und Feiertagsruhe nicht zulässig. Zwar gibt es mit § 10 Abs. 1 Nr. 7 eine Ausnahmeregelung für zahlreiche Kulturinstitutionen (z. B. Museen und Theater), im Bibliotheksbereich sind aber nur „wissenschaftliche Präsenzbibliotheken“ als Ausnahme benannt. Deshalb dürfen Universitätsbibliotheken sonntags öffnen. Damit öffentliche Bibliotheken dies auch dürften, müsste im Gesetz der Zusatz „wissenschaftliche“ vor Bibliotheken gestrichen werden.

Diese aktuelle Rechtslage steht im Widerspruch zum kultur- und bildungspolitischen Ziel, die Öffnungszeiten öffentlicher Bibliotheken möglichst bedarfsgerecht zu entwickeln und damit die Bibliotheksnutzung insbesondere für Familien, aber auch für Berufstätige, zu ermöglichen. Die Änderung des ArbZG ist daher seit Jahren Gegenstand einer intensiven kulturpolitischen Debatte. Dabei soll den Bibliotheken nur die Möglichkeit zur Öffnung eingeräumt werden – ob diese Möglichkeit vollzogen wird, soll jede Bibliothek bzw. ihr Träger selber entscheiden. Seit vielen Jahren bemühen sich insbesondere die Kulturressorts der Stadtstaaten und anderer Bundesländer, der Deutsche Bibliotheksverband, der Kulturausschuss und der Hochschulausschuss der Kultusministerkonferenz und viele weitere Menschen und Institutionen um eine entsprechende Gesetzesänderung. Leider erfolglos, denn es handelt sich um ein Bundesgesetz und der Bundestag hat sich in der Vergangenheit leider nicht mit dem Thema befasst. Die ZLB setzt sich für die Gesetzesänderung ein und kämpft dafür, dass auch öffentliche Bibliotheken, so sie das wollen, sonntags öffnen können.

 

E-Books in der Bibliothek

Damit wir Medien in der Bibliothek verleihen können, müssen wir sie zunächst kaufen. Dieser Vorgang ist gesetzlich festgelegt. Gedruckte Bücher fallen unter den sogenannten Erschöpfungsgrundsatz. Das bedeutet, dass wir jedes Buch in erforderlicher Stückzahl erwerben können. Bund und Länder zahlen den Autor*innen für jede Ausleihe eine Vergütung ( siehe hierzu auch Urheberrecht).

E-Books fallen unter andere Vorgaben und werden gesetzlich als Dienstleistung behandelt. Der Kauf ist demnach abhängig von den individuellen Entscheidungen der Verlage über die Lizenzerteilung. Viele Verlage bieten den Bibliotheken ihre E-Books erst nach einer Sperrfrist von bis zu einem Jahr zum Kauf an. Bibliotheken zahlen Verlagen für die Lizenzen von E-Books deutlich mehr als private Käufer*innen, da in den Lizenzen das Recht zum Verleih mitbezahlt wird. Wieviel davon an die Autor*innen weitergegeben wird, ist Verhandlungssache zwischen ihnen und ihren Verlagen. Hier sind Bibliotheken nicht beteiligt.

Bibliotheken verleihen übrigens E-Books so wie andere Bücher, d.h. wir kaufen eine Lizenz (oder auch mehrere) und verleihen das Buch dann auch nur einmal. Erst wenn es zurückgegeben ist bzw. die Lesezeit abgelaufen, kann es die nächste Person wieder ausleihen. Hierfür benötigt man einen Bibliotheksausweis.

Wir setzen uns dafür ein, dass das E-Book dem gedruckten Buch rechtlich vollständig gleichgestellt wird. Das fordern auch alle nationalen und internationalen Bibliotheksverbände.

Die Sorgen der Autor*innen, die durch die sog. #fairlesen-Kampagne des Börsenvereins im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse publikumswirksam, aber pauschal und aus unserer Sicht auch undifferenziert thematisiert worden sind, nehmen wir sehr ernst. Ohne das kreative und wissenschaftliche Schaffen der Autor*innen können wir Bibliotheken nicht existieren. Wir wollen, dass diese auch von den Ausleihen profitieren.

Bisher wird im Gegensatz zu gedruckten Büchern von Bund und Ländern für die Ausleihe von E-Books keine sogenannten „Bibliothekstantieme“ an Autor*innen als angemessene Vergütung für die E-Ausleihe gezahlt. Die Bibliothekstantieme muss auf elektronische Werke ausgeweitet werden, damit Autor*innen auch für die E-Ausleihe – wie bei gedruckten Büchern – entschädigt werden.

Bibliotheken und Autor*innen haben in den letzten Jahrzehnten immer im Sinne der Lesenden Seite an Seite gestanden, „Buch ist Buch“ nutzt Schreibenden und Lesenden.

Mehr Informationen dazu finden Sie auf der Seite des Deutschen Bibliothekverbands.