Julius Stargardter

2018 konnten 13 Bücher aus dem Besitz von Julius Stargardter auf Wunsch der Erben an die Bibliothek Medical Humanities (Charité) übergeben werden.

Isidor Julius Stargardter wurde am 19. Februar 1881 in Sępólno Krajeńskie (Zempelburg). Stargardter studierte Medizin und praktizierte als Kinderarzt in Hagen/Westfalen. Dr. Stargardter war als Jude verfolgt, er nahm sich am 30. November 1944 das Leben, um der bevorstehenden Deportation zu entgehen.

Wie die Bücher nach Berlin gelangten, ist unklar. Möglich ist, dass sie tatsächlich bei einem von Julius Stargardters Brüdern aufbewahrt wurden. Henry/Henri Stargardter, geb. 24. Juni 1877 in Sępólno Krajeńskie, lebte in Berlin. Er wurde 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Hermann Stargardter, geboren am 28. April 1879 ebenfalls in Sępólno Krajeńskie, war in Berlin Inhaber einer Strumpfgroßhandlung und einer Leihbücherei. Er wurde 1941 nach Minsk deportiert und ermordet.

Die restituierten Bände stammen aus dem Ankauf 1943, bei dem die BStB ~40.000 Bücher aus den letzten Wohnungen der deportierten Berliner Jüdinnen und Juden von der Berliner Pfandleihanstalt bezog. Einige der erst nach Kriegsende eingearbeiteten Bücher finden sich in der für die „J-Bücher“ charakteristischen Weise in den Geschenkzugängen wieder – mit der unklaren Angabe des „Kulturamts“ als Lieferant. In zwei Fällen ist die Bergungsstelle ohne Angabe einer Bergungsnummer als Lieferant genannt. Dies lässt darauf schließen, dass es sich um Lagerbestand gehandelt hat, der insbesondere in den Zugangsbüchern G45II und G46II pauschal der Bergungsstelle zugeordnet wurde.

Weiterführende Informationen

Webseite der Bibliothek Medical Humanities

Busch, Reinhold: Das Schicksal jüdischer Familien aus Hagen : Dokumentation der Enteignung und Vertreibung von jüdischen Ärzten und Zahnärzten und der Ermordung ihrer Angehörigen. Berlin: Wünsche, 2015