Die Borsigwerke: Maschinenbauarbeiter setzen Lokomotiven zusammen.
10. Mai 1848: Alle für Einen und Einer für Alle! Ein Aufruf zur Bildung eines Vereins aller Maschinenbauarbeiter Berlins.
Das Gründungskomitee kündigt auch die Herausgabe einer eigenen Vereinszeitung an. In dem Verbandsorgan der organisierten
Metallarbeiter sollen auch Aufsätze über Technik und Maschinenbau publiziert werden.
Auch Handwerksgesellen und Gehilfen melden sich mit ihren Forderungen zu Wort. Unter dem Eindruck der Märzkämpfe gelingt es
vielen von ihnen im April relativ einfach, höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten zu erstreiten. Die Furcht der Meister vor
Streiks und gewalttätigen Übergriffen ist sehr groß.
28. April 1848: Ein Versammlungsaufruf der Schuhmachermeister. Auch die Handwerksmeister machen von der neuen
Versammlungsfreiheit Gebrauch, um die Lage ihrer "Gewerke" zu beraten. Viele Betriebe stehen nach der Revolution
in einer doppelten Bedrängnis. Nach dem Abzug des Militärs hat sich für die auf die Garnison eingestellten Gewerbe die
Krisensituation weiter verschärft. Zur gleichen Zeit werden sie mit den Lohnforderungen ihrer Gesellen und Gehilfen
konfrontiert.
Der Magistrat ist sich der schwierigen Lage des Berliner Gewerbes bewußt und bietet seit dem 12. April 1848 bei den
Arbeitskämpfen seine Vermittlung an: Die Forderungen von Gesellen und Arbeitern an Handwerksmeister und Fabrikbesitzer
sollen bei der "Deputation für das Wohl der arbeitenden Klassen" verhandelt werden.
Am 23. April 1848 werden die Vermittlungsangebote des Magistrats durch administrative Maßnahmen erweitert. Demonstrationen
und das Verlassen der Arbeitsplätze für Protestversammlungen werden polizeilich verboten. Für ihre Besprechungen werden die
Arbeiter und Gesellen auf die Sonntage und Feierabendstunden verwiesen.
28. April 1848: Die Buchdruckergehilfen treten in den Streik. Der Organisator des Protests ist der Schriftsetzer Stephan
Born. Polizeipräsident von Minutoli reagiert auf die Streikankündigung mit der massiven Drohung, alle ortsfremden
Buchdruckergehilfen aus der Stadt zu weisen. Die Buchdrucker legen daraufhin schon nach wenigen Tagen ihren Protest nieder.
Stephan Born ist allerdings nicht nur an der Durchsetzung der Forderungen seiner Berufsgenossen interessiert. Während seines
Pariser Exils hat er im Umfeld von Karl Marx und Friedrich Engels gearbeitet. Nach der Rückkehr in das revolutionäre Berlin
ist Born fest entschlossen, die Sache der Arbeiter nicht nur den "Herumläufern und Wichtigtuern" auf
Volksversammlungen zu überlassen. Schon am 19. April 1848 wird unter seiner Führung das "Zentralkomitee für
Arbeiter" gegründet.
Seit dem 25. Mai 1848 gibt Stephan Born die sozialpolitische Zeitschrift "Das Volk" heraus. Die erste Nummer des
Blattes beginnt mit dem programmatischen Artikel "Was wir wollen". Im Gegensatz zu dem schwammigen
Revolutionspathos von Schlöffels "Volksfreund" beschreibt Born hier mit klaren Worten die Ziele des
Zentralkomitees:
"Wir haben deshalb in unserem Deutschland eine sehr vielseitige Aufgabe. Das Bürgerthum einerseits zu unterstützen im Kampfe gegen die Aristokratie, gegen das Mittelalter, gegen die Mächte von Gottes Gnaden; dem kleinen Gewerbetreibenden wie dem Arbeiter, beizustehen gegen die Macht des Kapitals und der freien Konkurrenz, und immer voran zu schreiten, wo es gilt, dem Volke ein irgend noch vorenthaltenes politisches Recht zu erkämpfen, damit es die Mittel erhalte, sich die soziale Freiheit, die unabhängige Existenz um so schneller zu erringen."
Vom 23. August bis zum 3. September 1848 tagt in Berlin der erste deutsche Arbeiterkongreß. Born erweist sich auch hier als
der führende Kopf. Auf seine Initiative wird auf dem Berliner Treffen die "Arbeiterverbrüderung" gegründet - die
erste nationale Arbeiterorganisation Deutschlands.
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