Zusammenführung der Bibliothek - häufig gestellte Fragen und unsere Antworten dazu.

Warum braucht Berlin die Zusammenführung der Zentral- und Landesbibliothek an einen Ort?

Die größte Öffentliche Bibliothek Deutschlands ist verteilt auf drei Standorte und platzt aus allen Nähten. Das ist teuer im Betrieb, unsinnig für die Besucherinnen und Besucher und widerspricht der Aufgabe der ZLB, ein gutes Bildungsangebot für alle Berlinerinnen und Berliner zu ermöglichen

Wie ist es jetzt?

Heute ist die ZLB aufgeteilt auf drei Gebäude, die Amerika-Gedenkbibliothek, die Berliner Stadtbibliothek und ein Außenmagazin im Westhafen. Die Fachgebiete sind auf die beiden Publikumsstandorte aufgeteilt. Beide Häuser sind stark frequentiert, besonders die Amerika-Gedenkbibliothek, in der die Gäste regelmäßig in den Nachmittagsstunden auf dem Fußboden sitzen müssen, da die höchste Zahl an möglichen Arbeitsplätzen im Publikumsbereich nicht für den Andrang ausreicht. Vom Bestand können zurzeit nur 10 % frei zugänglich präsentiert werden. Insbesondere zur Steigerung der Benutzerfreundlichkeit soll dieser Anteil mit mehr Platz substantiell erhöht werden.

Was soll dort passieren?

Die Bibliothek ist ein sozialer Ort, der Menschen, Themen, Medien und Raum miteinander vernetzt. Sie ist Informations- und Wissensort, Ort der Kreativität und Produktivität und ein Forum der Stadtgesellschaft, für jeden zugänglich und ohne kommerzielle Interessen. Sie ist der Ort für selbstbestimmtes Lernen und selbstbestimmte Vernetzung und ist öffentlicher Raum für alle Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt, ganz gleich, wie alt, welcher Herkunft, welcher Einkommensschicht oder welcher Bildungsbiografie sie sind.

Warum muss das Gebäude so gross sein?

Heute verfügt die ZLB an ihren über die Stadt verstreuten Standorten bereits über 38.000 qm inklusive Flächen des Außenmagazins im Westhafen. Leider sind davon nur etwa 7.000 qm öffentlich zugänglich. Wegen der verschachtelten Gebäudesituation besonders in der Berliner Stadtbibliothek sind viele Flächen nicht für Bibliothekszwecke nutzbar. Bei Neubau oder Erweiterung geht es daher vor allem um eine Vergrößerung der Publikumsflächen, um den Ansprüchen an eine moderne öffentliche Bibliothek gerecht zu werden. Die Flächen für Magazine bleiben weitestgehend auf dem heutigen Stand, die Büro- und Hintergrundflächen werden kleiner.

Warum braucht man soviele Arbeitsplätze?

Wir rechnen mit knapp einem Arbeitsplatz pro 1.000 Einwohner Berlins. Im Vergleich mit anderen modernen Zentralbibliotheken im In- und Ausland liegen wir hier ungefähr in der Mitte. Die neue Stadtbibliothek Stuttgart verfügt über 0.73 Arbeitsplätze pro 1.000 Einwohner und muss wegen der hohen Auslastung der Arbeitsplätze schon nachrüsten. Die Zentralbibliotheken Vancouver verfügen über 1,96 und Amsterdam über 1,88 Arbeitsplätze pro 1.000 Einwohner.

Warum nicht alles lassen, wie es ist?

Berlin braucht eine Zentralbibliothek an einem Ort, die serviceorientiert und benutzerfreundlich starke Bildungsakzente setzt. Die Zentral- und Landesbibliothek ist der Ort für Bildung, sie muss in die Lage versetzt werden, als zeitgenössischer, nicht kommerzieller Ort für alle zeitgemäß und effizient zu arbeiten. Hier werden Bildungsbiografien geschrieben. Wo soll Berlin investieren, wenn nicht in Bildung?

Wozu brauchen wir in Berlin eine neue Zentral- und Landesbibliothek?

Alle Bibliotheken zusammen sorgen dafür, dass alle Berlinerinnen und Berliner ihren Bedarf an Medien und Informationen decken können – vom Bilderbuch bis zur hochspeziellen wissenschaftlichen Literatur. Die ZLB ist in diesem System das Bindeglied zwischen den Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken. Sie bewahrt außerdem als Landesbibliothek das kulturelle Erbe unserer Stadt, und sie unterstützt die Bibliotheken der Bezirke mit wichtigen Dienstleistungen.

Nur 9 % der Besucherinnen und Besucher gehen ausschließlich in die ZLB, mehr als ein Drittel der Befragten geht mehrmals monatlich auch in die jeweilige Bezirks- und Stadtteilbibliothek. Das hat unsere Besucherbefragung 2010 ergeben.

Wie machen es die anderen Großstädte?

Berlin ist die einzige deutsche Großstadt, die keine Zentralbibliothek an einem Ort hat. Alle großen Städte in Deutschland verfügen über ein sich gegenseitig ergänzendes System aus leistungsfähiger Öffentlicher Zentralbibliothek und dezentralen Öffentlichen Bibliotheken. Auch international wurden neue Zentralbibliotheken gebaut, so zum Beispiel in Amsterdam, Mexico-City und in Seattle. In Helsinki, in Birmingham und auch im dänischen Aarhus entstehen zurzeit weitere Zentralbibliotheken.

Warum nicht ins ICC?

Warum nicht ins ICC?

Das ICC ist für Kongressnutzung gebaut. Schon die Messe kann es nicht mehr wirtschaftlich nutzen und hat nach eigener Aussage auch nach einer potenziellen Sanierung kein Interesse mehr daran. Das Gebäude hat eine komplett andere Raumstruktur als eine Bibliothek benötigt. Das ICC wäre als Bibliothek nicht wirtschaftlich zu betreiben, der Umbau würde teurer als ein Neubau und wäre schlechter. Die Umgebung ist nicht besucherfreundlich und in keinem Fall kinder- und jugendgerecht.