ILFA - Code of Ethics

Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin folgt dem IFLA Ethikkodex für Bibliothekar*innen und andere im Informationssektor Beschäftigte.

IFLA - ETHIKKODEX FÜR BIBLIOTHEKAR*INNEN UND ANDERE IM INFORMATIONSSEKTOR BESCHÄFTIGTE | Kurzfassung

PRÄAMBEL

Dieser Ethikkodex umfasst eine Reihe ethischer Empfehlungen, die zum einen einzelnen Bibliothekarinnen und sonstigen im Informationssektor Beschäftigten zur Orientierung dienen sollen und zum anderen Bibliotheks- und Informationsverbänden Anregungen bei der Erarbeitung und Überarbeitung ihres eigenen Kodex bieten sollen.


Der Zweck eines Ethikkodex ist es,

  • die Auseinandersetzung mit jenen Prinzipien zu fördern, auf deren Grundlage Bibliothekarinnen und andere im Informationssektor Beschäftigte Leitlinien (Policies) erarbeiten können und die der Lösung ethischer Dilemmata dienen
  • das berufliche Selbstbewusstsein zu stärken
  • gegenüber Nutzern und der Gesellschaft insgesamt Transparenz zu schaffen.

Dieser Kodex soll bereits existierende Kodizes nicht ersetzen oder Berufsverbände aus der Pflicht entlassen, eigene Kodizes basierend auf gründlicher Überprüfung und breiter Diskussion kooperativ zu entwickeln. Es wird nicht erwartet, dass der vorliegende Kodex in allen Einzelheiten übernommen wird.

Die weiteren Aussagen dieses Ethikkodex stützen sich auf die in der Präambel dargelegten Grundsätze mit dem Ziel, Empfehlungen für das angemessene Verhalten von Fachpersonal zu präsentieren. Es ist der IFLA bewusst, dass diese Grundsätze zwar das unveräußerliche Kernstück einer jeden bibliothekarischen Berufsethik darstellen, dass manche Details jedoch in Abhängigkeit von der jeweiligen Gesellschaft, den gemeinschaftlichen Gepflogenheiten oder der virtuellen Gemeinschaft variieren können. Während die Entwicklung von Kodizes/Berufsethiken eine wichtige Aufgabe der Berufsverbände ist, gehört die kritische Auseinandersetzung mit ethischen Fragen zu den generellen Pflichten aller Fachkräfte. Zu diesem Zweck empfiehlt die IFLA diesen Kodex daher allen ihren Mitgliedsverbänden und –einrichtungen sowie den einzelnen Bibliothekarinnen und anderen im Informationssektor Beschäftigten.

Die IFLA wird diesen Kodex bei Bedarf überarbeiten.

1. ZUGANG ZU INFORMATIONEN
Zur Kernaufgabe von Bibliothekarinnen und anderen im Informationssektor Beschäftigten gehört es, den Zugang zu Informationen für alle zu gewährleisten zum Zwecke der persönlichen Entwicklung, Bildung, kulturellen Bereicherung, Freizeitgestaltung und Wirtschaftstätigkeit, der informierten Teilnahme an demokratischen Prozessen sowie der Festigung demokratischer Strukturen.
Daher lehnen Bibliothekarinnen und andere im Informationssektor Beschäftigte Zensur jeglicher Art ab; sie streben danach, ihre Dienstleistungen für die Benutzer kostenlos bereitzustellen, bewerben Bestände und Dienstleistungen bei potentiellen Nutzern und bemühen sich, ihre physischen und virtuellen Dienstleistungen so zugänglich wie irgend möglich zu machen.

2. VERANTWORTUNG GEGENÜBER EINZELNEN UND DER GESELLSCHAFT
Um Inklusion zu fördern und Diskriminierung zu beseitigen, setzen sich Bibliothekarinnen und andere im Informationssektor Beschäftigte dafür ein, dass das Recht auf Zugang zu Informationen nicht verweigert wird und dass identische Dienstleistungen für jeden zugänglich sind - unabhängig von Alter, Staatsangehörigkeit, politischer Überzeugung, körperlichem oder geistigem Vermögen, Geschlechtsidentität, Kulturzugehörigkeit, Bildung, Einkommen, Einwanderungs- oder Asylantragsstatus, Familienstand, Herkunft, ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Orientierung.

Zur Verbesserung des Informationszugangs für alle unterstützen Bibliothekarinnen und andere im Informationssektor Beschäftigte die Menschen bei der Informationsrecherche, helfen ihnen bei der Weiterentwicklung ihrer Lese- und Informationskompetenz und fördern den ethischen Gebrauch von Informationen (mit besonderer Berücksichtigung der jungen Generation).

3. DATENSCHUTZ, DISKRETION UND TRANSPARENZ
Bibliothekarinnen und andere im Informationssektor Beschäftigte respektieren die Privatsphäre und den Schutz persönlicher Daten, die im Verkehr zwischen ihren Einrichtungen und Einzelpersonen zwangsläufig ausgetauscht werden. Gleichzeitig fördern sie die größtmögliche Informationstransparenz im Zusammenhang mit Körperschaften des öffentlichen Rechts, Privatunternehmen und allen sonstigen Einrichtungen, deren Aktivitäten das Leben einzelner und der Gesellschaft als Ganzes tangieren.

4. OPEN ACCESS UND GEISTIGES EIGENTUM
Es liegt im Interesse von Bibliothekarinnen und anderen im Informationssektor Beschäftigten, Bibliotheksnutzern den bestmöglichen Zugang zu Informationen und Ideen unabhängig von Medium und Format anzubieten.
Gleichzeitig bekennen sie sich dazu, Partner von Autoren, Verlagen und sonstigen Schöpfern urheberrechtlich geschützter Werke zu sein.

Bibliothekarinnen und andere im Informationssektor Beschäftigte setzen sich dafür ein, dass sowohl die Rechte der Nutzer als auch der Urheber respektiert werden. Sie unterstützen die Grundsätze von Open Access, Open Source und Open Licenses. Hinsichtlich der Urheberrechtsregelungen bemühen sie sich um angemessene, sinnvolle und notwendige Einschränkungen und Ausnahmen für Bibliotheken und setzen sich vor allem gegen die Ausweitung geltender Urheberrechtsregelungen ein.

5. NEUTRALITÄT, PERSÖNLICHE INTEGRITÄT UND FACHKOMPETENZ
Bibliothekarinnen und andere im Informationssektor Beschäftigte sind dazu verpflichtet, hinsichtlich des Bestandes, der Benutzung und der Dienstleistungsangebote eine neutrale und unvoreingenommene Haltung einzunehmen. Sie bemühen sich, ausgewogene Bestände zu schaffen, entwickeln ausgewogene Leitlinien für ihre Dienstleistungen, stellen ihre persönlichen Überzeugungen gegenüber ihren dienstlichen Pflichten zurück,
kämpfen gegen Korruption und sind bestrebt, ihre Fachkompetenz zu optimieren.

6. BEZIEHUNGEN ZU KOLLEGEN UND BEZIEHUNGEN ZWISCHEN VORGESETZTEN UND MITARBEITERN
Bibliothekarinnen und andere im Informationssektor Beschäftigte gehen fair und respektvoll miteinander um. Sie lehnen daher Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund von Alter, Staatsangehörigkeit, politischer Überzeugung, physischem oder geistigem Vermögen, Geschlecht, Familienstand, Herkunft, ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Orientierung ab. Sie treten dafür ein, dass Männer und Frauen gleichen Lohn für gleiche Arbeit erhalten, sie geben ihre Berufserfahrung weiter und beteiligen sich aktiv an der Arbeit ihrer Berufsverbände.

Erarbeitet von Loida Garcia-Febo, Anne Hustad, Hermann Rösch, Paul Sturges und Amélie Vallotton (FAIFEArbeitsgruppe).

Verabschiedet durch den IFLA-Vorstand, August 2012.

Aus dem Englischen ins Deutsche übertragen von Maria Reinhard und Hermann Rösch, September 2012.