Sarahs Seiten!

Sarah macht (seit dem 1. September 2017) in der Kinder- und Jugendbibliothek ein Praktikum, das sich Freiwilliges Soziales Jahr Kultur nennt.

Regelmäßig schreibt sie auf dieser Seite über Bücher und andere Medien oder schildert ihre Erfahrungen aus dem Praktikantenleben.

Anfang März durfte ich wieder an einer der wundervollen Seminarfahrten teilnehmen, die viermal im Jahr mit allen Teilnehmenden des „Freiwilligen Sozialen Jahr Kultur“ gemacht werden.
Beim „FSJK“ arbeiten die Freiwilligen an unterschiedlichen, kulturellen Einrichtungen und kommen dann bei den Seminarfahrten zusammen.
Wer das Wort „Seminarfahrt“ hört, stellt sich darunter vielleicht eine langweilige Reise mit ausschließlichen Lerninhalten vor. Tatsächlich machen die Fahrten aber einfach sehr viel Spaß und neben interessanten Themen, zu denen man einiges lernt, hat man viel Freizeit, die man mit seinen Freunden oder Leuten, die man neu kennenlernt, verbringt.

Anfänglich hatte natürlich jeder Zweifel, Anschluss zu finden aber inzwischen sind wir wie eine große Familie zusammengewachsen. Inhalt der Seminarfahrten ist jedes Mal ein anderes Thema, das man sich selber aussuchen darf. Die Themen reichen zum Beispiel von Kunst bis über Politik, Musik, Joga, Theater und Tanz und werden in einzelnen Werkstätten bearbeitet.
Dieses Mal habe ich mich für kreatives Schreiben entschieden.

In Werftpfuhl, ein kleiner Ort in Brandenburg, wohnen wir jedes Mal eine Woche lang in einer Jugendherberge, die eher einem Schloss gleicht. Die ersten Tage wurden für den Austausch und das erneute gegenseitige Kennenlernen unter den Freiwilligen genutzt. Außerdem wurden zum Beispiel Kulturwissenschaftler eingeladen, die uns etwas zu ihrem Beruf / Studiengang erzählten, um uns vielleicht bei unserer Wahl, wie es nach dem FSJK weitergeht, behilflich zu sein. Am dritten Tag begannen die Werkstätten. Die Gruppe der kreativen Schreiber war ziemlich groß und ich war, obwohl ich Lust auf die Schreibwerkstatt hatte, etwas nervös, da die eigenen Texte in großer Runde vorgelesen und kritisiert werden sollten. Um in einen guten Schreibfluss zu kommen, mussten wir zuerst 15 Minuten lang alle aufkommenden Gedanken aufschreiben. Nach dieser Übung ging es erst richtig los. Im Laufe der Woche schrieben wir zum Beispiel Kurzgeschichten oder gingen raus und versuchten eindrucksvolle Atmosphären aufzuschreiben. Der Ort, den ich mir dafür ausgesucht habe, war ein gruseliges, verfallenes Haus, in das ich leider ohne Erfolg reinzukommen versuchte. Nur durch die teils zersplitterten Fenster konnte man einen Blick in das Haus mit den weißen Fliesen, die an eine Psychiatrie erinnerten, werfen.

(Foto: pixabay.de)

Am Donnerstag fand die Abschlusspräsentation statt. Jeder von uns sollte einen entstandenen Text in der hauseigenen Bar vor allen Leuten vorlesen. Im Keller der Jugendherberge befindet sich neben der Bar auch noch ein Raum zum Tanzen und Feiern und ein Raum zum Entspannen. An diesem Abend wurde die Bar in eine Art Bühne umfunktioniert. Ich war natürlich sehr aufgeregt. Mein Text handelte von einer skurrilen Situation mit einem Mann, der mir in der U7 begegnet ist. Insgesamt wurden sehr schöne aber auch traurige Texte vorgelesen, sodass sogar bei einem Text die Hälfe aller Leute in Tränen ausgebrochen ist.

Danach haben wir alle noch ausgiebig gefeiert. Der Raum zum Tanzen wurde nicht nur an diesem Abend genutzt. Jeder, der wollte, konnte seine Musik anschließen und so wurden alle erdenklichen Musikrichtungen gespielt. Zum Schluss des Abends gab es immer Techno, weil das leider nicht ganz so beliebt war und einige Leute dann schon schlafen gegangen sind. Für mich hat es zum Schluss hin immer am meisten Spaß gemacht!

Am letzten Tag wurden noch die anderen Ergebnisse der Werkstätten präsentiert, die auch sehr interessant waren. Beim Mittagessen, das übrigens sehr gut ist, habe ich noch abschließend eine sogenannte Mission erfüllt. Am Anfang der Seminarfahrt wurde uns nämlich ein Kessel hingestellt, in den jeder, der wollte, eine aufgeschriebene Aufgabe werfen konnte. Wer Lust hatte, durfte eine Aufgabe ziehen, musste sie erfüllen und danach „Mission“ rufen. Wer zum Schluss die meisten Missionen erfüllt hat, sollte den Preis bekommen. Meine Aufgabe war es erst für Ruhe zu sorgen, um dann einer anwesenden Person einen Heiratsantrag zu machen. Also stand ich auf und klopfte mit einer Gabel an mein Glas, was erstaunlich gut für Ruhe sorgte. Ich verkündete, die Liebe meines Lebens gefunden zu haben und machte einer meiner Zimmernachbarinnen einen Heiratsantrag. Sie antwortete zum Glück mit „Ja“ und danach gab es großen Applaus. Gewonnen habe ich bei dem Spiel nicht, aber Spaß hat es auf jeden Fall gemacht!
Und vielleicht wird bei der nächsten Seminarfahrt ja die Hochzeit gefeiert…