Sarahs Seiten!

Sarah macht (seit dem 1. September 2017) in der Kinder- und Jugendbibliothek ein Praktikum, das sich Freiwilliges Soziales Jahr Kultur nennt.

Regelmäßig schreibt sie auf dieser Seite über Bücher und andere Medien oder schildert ihre Erfahrungen aus dem Praktikantenleben.

Medientest: Victoria

ONE GIRL, ONE CITY, ONE NIGHT, ONE TAKE

Diesen Monat wird einer der gehyptesten Filme Deutschlands genauer unter die Lupe genommen. „Victoria“ von Sebastian Schipper, feierte 2015 auf der 65. Berlinale in Berlin Premiere und gewann den „Silbernen Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung“. Aber lohnt es sich tatsächlich, den Film anzuschauen oder wird einfach er einfach nur gnadenlos überschätzt?

Worum geht's?

Victoria, eine junge Austauschstudentin aus Madrid, lernt vor einem Berliner Club die Jungs Sonne, Boxer, Blinker und Fuß kennen. Wenige Stunden noch, dann neigt sich die Nacht in Berlin wieder dem Ende zu. Anstatt nach Hause zu gehen, lässt sich Victoria auf die Jungs ein und zieht mit ihnen durch die Nacht. Mit Sonne versteht sie sich besonders gut und die beiden verbringen nach einem kleinen Ausflug auf ein Dach die letzte gemeinsame Zeit in dem Café, das Victoria in kurzer Zeit öffnen muss. Dazu kommt es allerdings nicht, denn plötzlich sind die Jungs in Schwierigkeiten, da sie noch eine Schuld zu begleichen haben und Victoria soll als Fahrerin einspringen. Was für Victoria wie ein großes Abendteuer beginnt, entwickelt sich plötzlich zu einem Albtraum. Es geht um Leben und Tod.

Meine Meinung

„Victoria“ ist in mehrerer Hinsicht ein besonderer und außergewöhnlicher Film. Die 140 Minuten Filmlänge wurden ohne einen einzigen Schnitt gedreht – auch One Cut genannt. Die Dialoge sind daher auch größtenteils improvisiert, was den Film besonders authentisch wirken lässt.
Authentisch ist ohnehin das Wort, das „Victoria“ am besten beschreibt. Noch nie habe ich einen Film gesehen, der in den Dialogen so realistisch wirkt. Außerdem wagt der Film auf sprachlicher Ebene eine Mischung aus Deutsch und Englisch. Alles ist so unvollkommen, wie im wirklichen Leben. Nichts glattgebügelt. Keine ins Detail ausgeklügelten Dialoge. Das Gegenteil eines amerikanischen Blockbusters, aber sehr erfrischend.
Die Schauspieler Laia Costa als Victoria und Frederick Lau als Sonne spielen ihre Rollen unheimlich überzeugend.

Die Handlung ist größtenteils schlüssig, zwar gibt es die eine oder andere Logiklücke, was aber nicht weiter gestört hat. In Puncto Spannung und Emotionen hat mich der Film sehr mitgerissen. „Victoria“ hat es geschafft, alle Emotionen auszulösen und das macht für mich einen guten Film aus. Die Charaktere sind interessant und wild aber nicht überzeichnet, sondern glaubwürdig und könnten nachts genauso angetroffen werden.

Die unglaubliche Leistung, 140 Minuten am Stück einen Film zu drehen, muss nicht nur für die Schauspieler eine große Herausforderung gewesen sein, sondern auch für das Kamerateam. Durch die Kameraführung und den One Cut fühlte es sich an, ein Teil der Geschichte zu sein. Ein viel intensiveres Erlebnis, als jeder bisherige Film. „Victoria“ ist mir noch lange im Kopf geblieben ist. Wer mal etwas anderes sehen möchte, gerne feiern geht und sich mit langen Nächten gut identifizieren kann oder auf Dramen und Thriller steht, sollte sich „Victoria“ ansehen.

Fünf von fünf Herzen

Den Film Victoria findet ihr in der Jugendbibliothek unter Ju 400 Victor 1:DVD