Gesellschaft der Freunde, Berlin

Seit 2018 konnten vier Bücher und ein Exlibris aus der Bibliothek der Gesellschaft der Freunde an die Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum übergeben werden.

Die Gesellschaft der Freunde war ein am 29. Januar 1792 in Berlin gegründeter jüdischer Hilfsverein. Seine Mitglieder unterstützten sich gegenseitig in Fällen von Armut, Arbeitslosigkeit, Krankheit und Tod. 1935 wurde die Gesellschaft verboten und ihr Vermögen beschlagnahmt. 1936 erfolgte die Einziehung des Vereinsvermögens zugunsten des preußischen Staates.

Neben der Berliner Gesellschaft der Freunde gab es auch gleichnamige Vereine in Breslau, Frankfurt am Main, Leipzig und Wiesbaden. Die in den Büchern gefundenen Provenienzhinweise erlaubten zunächst keinen Rückschluss darauf, welchem Verein die Bände entzogen wurden. Ein Band trägt einen Stempel der Gesellschaft der Freunde in Breslau. Genau dieser Band wurde allerdings mit einem fast identischen Etikett, aber neuer Exemplarnummer umsigniert und passt danach sowohl von der Signierung als auch von Zugangsweg zu zwei weiteren Bänden, die keinen Stempel des Breslauer Vereins tragen. Dies legt eine vormalige Abgabe nahe. Allein die Größe der Bibliothek (nach der höchsten gefundenen Signatur über 5.300 Bände) als auch die räumliche Nähe lassen den Schluss zu, dass es sich bei der Vorbesitzerin nach erreichbarem Wissensstand um die Berliner Gesellschaft der Freunde gehandelt hat.

Drei der Bücher wurden in unbearbeiteten Depotbeständen der Berliner Stadtbibliothek gefunden, eines davon war zwischenzeitlich in den Bestand der Ratsbibliothek eingearbeitet. Diese Bücher wurden  – dokumentiert durch entsprechende Nummerierung – von der Bergungsstelle geliefert, konkret aus Auftrag Nr. 15 (Depot des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) zum Aufbau einer „Gegnerbibliothek“).

Ein weiteres Buch war 1950 als Geschenk in der Senatsbibliothek Berlin eingearbeitet worden. Zwar geben die Zugangsbücher der Senatsbibliothek Berlin keinen Aufschluss über den Lieferanten, anhand eines entsprechenden Stempels kann allerdings davon ausgegangen werden, dass es von der Magistratsbibliothek von Groß-Berlin an die neu gegründete Senatsbibliothek Berlin abgegeben wurde. Der Magistrat war 1945/46, wie auch die Berliner Stadtbibliothek und die Ratsbibliothek, von der Bergungsstelle beliefert worden. Es ist somit wahrscheinlich, dass das Buch ebenfalls aus dem o.g. RSHA-Depot stammt, auch wenn eine entsprechende Nummerierung fehlt.

Das Exlibris stammt aus der Exlibris-Sammlung der Berliner Stadtbibliothek, der Zugangsweg in den Bestand ist unklar.

Es gibt keinen Rechtsnachfolger der Gesellschaft der Freunde. Auf Grundlage der Washingtoner Prinzipien, konkret Nr. IX („If the pre-war owners […] can not be identified, steps should be taken expenditiousliy to achieve a just and fair solution.“), hat sich die ZLB für eine Übergabe der Bände an die Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum als Berliner Zentrum für die Pflege und Bewahrung jüdischer Kultur entschieden.

Die ZLB bedankt sich bei Dr. Sebastian Panwitz für die Unterstützung bei der Recherche.

Weiterführende Informationen

Die Gesellschaft der Freunde bei Wikipedia

Panwitz, Sebastian: Die Gesellschaft der Freunde 1792 – 1935 : Berliner Juden zwischen Aufklärung und Hochfinanz. Hildesheim [u.a.]: Olms, 2007, siehe auch gesellschaftderfreunde.de