Restitutionen 2015

Hermann Raschkow

Widmung "Herrn Dr. Herrm. Raschkow mit freundlichsten Grüssen vom Herausgeber [Alb] Pohl. 20/12 03"
Widmung "Herrn Dr. Herrm. Raschkow mit freundlichsten Grüssen vom Herausgeber [Alb] Pohl. 20/12 03"

12.12.2015: ein Buch aus der Bibliothek von Dr. Hermann Raschkow konnte zurückgegeben werden.

Hermann Raschkow wurde am am 17.02.1874 in Berlin geboren. Er war Nervenarzt und wohnte in Berlin-Schöneberg in der Hauptstraße 37. Dr. Hermann Raschkow war als Jude verfolgt und flüchtete 1939 nach Rio de Janeiro wo er bis zu seinem Tod 1953 lebte.

Das zurückgegebene Buch wurde in der Berliner Stadtbibliothek (BStB) 1951 im Zugangsbuch „Dombrowski“ erfasst. Dabei handelt es sich um einen Zugang von etwa 1000 Exemplaren die vermutlich vom Magistrat von Berlin an die BStB abgegeben wurden. Darunter befindet sich eindeutiges Raubgut, meist aus Privatbesitz, neben unverdächtigen Exemplaren.

Das restituierte Buch auf lootedculturalassets.de:

Pohl, J.: Das Haar : die Haarkrankheiten, ihre Behandlung und die Haarpflege. Stuttgart [u.a.]: Deutsche Verl.-Anstalt, [1902].

Hochschule für die Wissenschaft des Judentums

Stempel: "Bibliothek der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums Berlin"
Stempel: "Bibliothek der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums Berlin"

09.12.2015: ein Buch aus der Bibliothek der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums konnte an das Abraham Geiger Kolleg in Potsdam zurückgegeben werden.

Die am 06.05.1872 in Berlin gegründete Hochschule war eine unabhängige Lehranstalt zum Zwecke der Erhaltung, Fortbildung und Verbreitung der Wissenschaft des Judentums. Der jüdische Gelehrte Abraham Geiger (1810-1874) war einer der Gründerväter der Hochschule. Nachdem die Einrichtung bereits ab 1933 im nationalsozialistischen Deutschland der Verfolgung ausgesetzt war, wurde sie am 19. Juli 1942 endgültig geschlossen und ihr Eigentum beschlagnahmt. Der einzig verbliebene Lehrer und Rabbiner Leo Baeck wurde 1943 zusammen mit den restlichen Studenten ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert.

Das Buch gelangte nach Kriegsende 1946 in den Bestand der BStB. Lieferant war die Bergungsstelle, Bergungsauftrag Nr. 15, Depot des Reichssicherheitshauptamtes in der Eisenacher Straße.

Die Rückgabe erfolgte gemeinsam mit der Bayerischen Staatsbibliothek, die ebenfalls Bücher der Hochschule in ihren Beständen ermitteln konnte.

Das restituierte Buch auf lootedculturalassets.de:

Meyer, Eduard: Die Apostelgeschichte und die Anfänge des Christentums (Ursprünge und Anfänge des Christentums, 3). Stuttgart [u.a.]: Cotta, 1923.

Links:

Webseite des Abraham Geiger Kollegs

Pressemeldung der Bayerischen Staatsbibliothek (.doc, 1,9 MB)

10.12.2015, Bayerische Staatszeitung: Talmudbände zurückgegeben.

10.12.2015, Potsdamer Neueste Nachrichten: Kixmüller, Jan: Bücher aus NS-Raubgut zurückgegeben.

Hedwig Pintus

Autogramm von Hedwig Pintus
Autogramm von Hedwig Pintus

03.12.2015: ein Buch aus der Bibliothek von Hedwig „Hey“ Pintus konnte zurückgegeben werden.

Hedwig Pintus wurde am am 02.01.1900 in Berlin geboren. Sie arbeitete als Sekretärin und wohnte zuletzt in Berlin-Wilmersdorf. Hedwig Pintus war als Jüdin verfolgt und flüchtete 1939 zu Ihrer Schwester Elisabeth Jaffé nach London. Elisabeth Jaffé war bereits 1934 von Berlin nach London emigriert.

Bei dem Buch handelt es sich um einen antiquarischen Ankauf von ‚Zintl‘ der BStB von 1951. Weitere Anhaltspunkte für den Weg des Buchs konnten nicht ermittelt werden.

Das restituierte Buch auf lootedculturalassets.de:

Harich, Walther: Der Turmbau zu Babel. Berlin: Reiß, 1920.

Internationaal Archief voor de Vrouwenbeweging (IAV)

Provenienzmerkmale des IAV
Provenienzmerkmale des IAV

03.12.2015: neun Bücher und ein loses Exlibris aus der Bibliothek des Internationaal Archief voor de Vrouwenbeweging (Internationales Archiv der Frauenbewegung, IAV) konnten an die Rechtsnachfolgerin, Atria, kennisinstituut voor emancipatie en vrouwengeschiedenis, restituiert werden. Die Rückgabe erfolgte im Rahmen der Konferenz Sharing the past, debating the present, creating the future - International conference on archiving in the 21st century, die anlässlich des 80-jährigen Bestehens des Archivs vom 03. - 04. Dezember 2015 in Amsterdam stattfand.

Die Bücher gelangten sämtlich über die Bergungsstelle in den Bestand der BStB, konkret Bergungsauftrag Nr. 18, Bibliothek des Deutschen Frauenwerkes / Reichsfrauenführung.

Die etwa 4.500 Bände umfassende Bibliothek des IAV in Amsterdam war am 12. Juli 1940 durch die Sicherheitspolizei geraubt und nach Berlin verbracht worden. Nur ein geringer Teil kehrte 1947 in die Niederlande zurück. Einzelne Bände dieser Provenienz fanden sich 2012 bei der Überprüfung der Bestände der ZLB und waren durch Stempel und Exlibris eindeutig identifizierbar. In Kooperation mit den niederländischen Kolleginnen des heute Atria genannten IAV konnten weitere Provenienzmerkmale wie Signaturschilder und Exemplarnummern eindeutig identifiziert, und damit weitere Exemplare der ursprünglichen Bibliothek des IAV zugeordnet werden. Augenfällig wurde ein gemeinsamer Lieferant, die Bergungsaktion Nr. 18. Eine erneute Überprüfung der bereits zuvor als von Nr. 18 geliefert identifizierten Büchern in der ZLB lieferte weiteres NS-Raubgut aus den Beständen des IAV zu Tage.

Im zugehörigen Bergungsbericht ist andeutungsweise von einer Restitution eines Teils der geborgenen Bestände die Rede. Die »übrige Literatur wurde wie üblich aufgeteilt, sodass die Rats- und Stadtbibliothek je einen Anteil erhielten«. Im dem Bergungsbericht anhängigen Aktenvermerk wurden die im Bericht noch unkonkret als zurückzugebendes »holländische[s] Schriftgut« bezeichneten Bücher zutreffend als »Bibliothek des International Archief, Frauenbewegung, Amsterdam« bezeichnet.

Die restituierten Bücher/Exlibris auf lootedculturalassets.de:

Exlibris 229 - Rosa Manus

Bakker-Nort, Betsy: Beroepsarbeid der gehuwde vrouw. Utrecht: Brunna, um 1921.

Hoffmann, Malvina: A sculptor's odyssey. London: Scribner, 1936.

International Alliance of Women for Suffrage and Equal Citizenship (Hrsg.): International Alliance of Women for Suffrage and Equal Citizenship : Report of the eleventh congress ; Berlin, June 17th to 22nd, 1929. Berlin: s.n., 1929.

Ligue Internationale de Femmes pour la Paix et la Liberté: Rapport du Congrès International de Femmes : Zurich Mai 12-17, 1919. Genève: Ligue Internationale de Femmes pour la Paix et la Liberté, 1919.

National Council of Women of Canada: The yearbook of the National Council of Women of Canada. s.l., s.n., 1931.

Nationale Vrouwenraad van Nederland (Hrsg.): Acht en Twintigste Algemeene Vergadering op 27, 28 en 29 April 1927 in Het Schouwburggebouw te Deventer. s.l., s.n., 1927.

Salomon, Alice (Bearb.): International Council of Women : Fourth Annual Report of the Fifth Quinquennial Period. Aberdeen: Rosemount Pr., 1913.

Strachey, Ray: Millicent Garrett Fawcett. London: Murray, [1931].

Wright Sewall, May (Sonst.): International Council of Women : Report of transactions during the third quinquennial term terminating with the third quinquennial meeting held in Berlin, June, 1904. Boston: s.n., 1909.

Links:

Webseite von Atria

03.12.2015, NPO Radio 1: Door nazi's geroofd boeken over vrouwengeschiedenis weer terug in Nederland

03.12.2015, Het Parool: Door nazi's gestolen boeken vrouwenhistorie terug in Amsterdam

03.12.2015, Trow: Gestolen boeken vrouwenhistorie terug in Amsterdam

03.12.2015, PowNed: Naziroof terug in Amsterdam

12.12.2015, NPO Radio 1: Taalschat: beroepsarbeid der gehuwde vrouw

26.01.2016, weinbeeren.wordpress.com: Retourkutsche

Paul und Dorothea Bernhardt

Stempel: "Nervenarzt. Beeidet. Sachverst. f. da[s] Kammergericht und die Landgerichts-Bezirke Berlin I, II, III Berlin W. 62, Lützow-Platz 21 Telefon B5 Barbarossa 3876" darunter ein weiterer Stempel: "Dr. Paul. u. Dorothea Bernhardt Potsdam, Weissenburger Strasse 15"
Stempel: "Nervenarzt. Beeidet. Sachverst. f. da[s] Kammergericht und die Landgerichts-Bezirke Berlin I, II, III Berlin W. 62, Lützow-Platz 21 Telefon B5 Barbarossa 3876" darunter ein weiterer Stempel: "Dr. Paul. u. Dorothea Bernhardt Potsdam, Weissenburger Strasse 15"

13.10.2015: ein Buch aus der Bibliothek von Paul und Dorothea Bernhardt konnte zurückgegeben werden.

Dr. Paul Elkan Bernhardt wurde am 21. Mai 1873 in Berlin geboren, er war Nervenarzt und praktizierte in Berlin und Potsdam. 1915 heiratete er die am 19.12.1884 in Berlin geborene Dorothea „Dora“ Emma Hirschfeld. Dorothea Bernhardt starb am 02.12.1939 in Potsdam, über die Umstände ihres Todes ist nichts bekannt. Paul Bernhardt verstarb am 25.07.1942, ebenfalls in Potsdam Höchstwahrscheinlich nahm er sich angesichts seiner bevorstehenden Deportation das Leben. Paul und Dorothea Bernhardt waren als Juden verfolgt.

Das zurückgegebene Buch wurde in der BStB 1951 im Zugangsbuch „Dombrowski“ erfasst. Dabei handelt es sich um einen Zugang von etwa 1 000 Exemplaren die vermutlich vom Magistrat von Berlin an die BStB abgegeben wurden. Darunter befindet sich eindeutiges Raubgut, meist aus Privatbesitz, neben unverdächtigen Exemplaren.

Das restituierte Buch auf lootedculturalassets.de:

Fendel, Heinz: Grundzüge der ärztlichen Psychologie. Berlin[u.a.]: Urban & Schwarzenberg, 1925.

Links:

Eintrag für Paul Elkan Bernhardt im Gedenkbuch des Bundesarchivs

Österreichische Theosophische Gesellschaft Adyar

Stempel: Eigentum der Österr. Theosophischen Gesellschaft "Adyar"", darunter die Nummer der Bergungsstelle 161
Stempel: Eigentum der Österr. Theosophischen Gesellschaft "Adyar"", darunter die Nummer der Bergungsstelle 161

02.09.2015: vier Bücher aus der Bibliothek der Österreichischen Theosophischen Gesellschaft Adyar konnten zurückgegeben werden.

Mit dem sog. Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde die Gesellschaft verboten. Die Bücher sind in den Geschenk-Zugangsbüchern der BStB von 1946 und 1947 eingetragen. Als Lieferant ist jeweils die Bergungsstelle 161 (Marinebunker Hohenzollerndamm) angegeben. Es ist anzunehmen, dass sie zuvor Teil der sog. Gegenerbibliothek des Reichssicherheitshauptamtes waren.

Die zurückgegebenen Bücher auf lootedculturalassets.de:

Blavatsky, Helena Petrovna: The secret doctrine : the synthesis of science, religion, and philosophy (Bd. 1-3). London: Theosophical Publ. House, 1921.

Leadbeater, Charles Webster: The other side of death : scientifically examined and carefully described. London:  Theosophical Publ. Soc., 1911.

Links:

Webseite der Theosophischen Gesellschaft (Adyar) in Österreich

Die Theosophische Gesellschaft Adyar bei Wikipedia

Israelitische Kultusgemeinde Troppau

Titel von "Kopernikus und das neue Weltsystem"
Titel von "Kopernikus und das neue Weltsystem"

01.09.2015: drei Bücher aus der Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde Troppau konnten an die Jüdische Gemeinde Ostrava über die Föderation der Jüdischen Gemeinden in Tschechien zurückgegeben werden.

Die Synagoge von Troppau wurde im Rahmen der Novemberprogrome 1938 zerstört, letzte in Troppau lebende Juden in ein Lager nach Strochowitz verbracht und von dort in Konzentrationslager deportiert.

Die drei Bücher sind in den Geschenk-Zugangsbüchern der BStB eingetragen. Für ein Buch  ist als Lieferant allgemein die Bergungsstelle verzeichnet, ein weiteres Buch kam über den Lieferant Kulturamt in die Bibliothek. Das dritte Buch stammt aus der Bergungsstelle 161, der Margarinebunker am Hohenzollerndamm.

Die restituierten Bücher auf lootedculturalassets.de:

Cooke, Josiah P.: Chemie der Gegenwart. (Internationale Wissenschaftliche Bibliothek, Bd. 16). Leipzig: Brockhaus, 1875.

Mela, Pomponius: Mittelmeerländer. (Geographie des Erdkreises, Bd. 1). Leipzig: Voigtländer, [1912].

Stahl, Leonhard: Kopernikus und das neue Weltsystem. (Kulturträger, Bd. 19). Berlin [u.a.]: Seemann, o.J.

Links:

Webseite der Jüdischen Gemeinde Ostrava

Webseite der Föderation der Jüdischen Gemeinden in Tschechien

Jüdisch-akademischer Philosophenverein Wien

Stempel der Bibliothek des Jüdisch-akademischen Philosophenvereins Wien
Stempel der Bibliothek des Jüdisch-akademischen Philosophenvereins Wien

18.08.2015: ein Buch aus der Bibliothek des Jüdisch-akademischen Philosophenvereins Wien konnte an die Rechtsnachfolgerin, die Israelitische Kultusgemeinde Wien, zurückgegeben werden

Der 1909 in Wien gegründete Verein war 1938 vom Stillhaltekommissar Wien zwangsweise aufgelöst und das Vereinsvermögen inklusive der Bibliothek beschlagnahmt worden.

Auf welchem Weg das geraubte Buch nach Berlin und in den Bestand der ZLB gelangte, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Das restituierte Buch auf raubgut.zlb.de:

Möbius, A.F.: Astronomie : Größe, Bewegung und Entfernung der Himmelskörper ; II. Teil: Kometen, Meteore und das Sternsystem. (Sammlung Göschen ; 529). Berlin [u.a.]: de Gruyter, 1923

Links:

Webseite der IKG Wien

Alfred Peyser

"Ex Libris Doctoris Alfred Peyser"
Exlibris von Alfred Peyser

29.05.2015: drei lose Exlibris von Alfred Peyser konnten zurückgegeben werden.

Sanitätsrat Dr. Alfred Siegmund Peyser wurde am 23.12.1870 in Zehden/Oder im Kreis Königsberg geboren. Um 1902 heiratete er die 1883 in Breslau geborene Sophie Fraenkel, die beiden hatte drei Kinder. Peyser lebte ab 1894 in Berlin, war HNO-Arzt, Freimaurer bei der Loge "Hammonia zur Treue" und letzter Vorsitzender der Jüdischen Reformgemeinde von Berlin.

Nachdem seine Kinder bereits ab 1934 aus Deutschland geflohen waren, emigrierte Alfred Peyser schließlich 1939 nach Schweden.

Das Exlibris wurde von Fidus gestaltet.

Eine handschriftliche Notiz weist auf den Zugang „Trp“ (Treptow) der BStB hin, eine Sammlung von Hans Pohl (Kriminalkommissar RSHA, Obersturmführer SS).

Die restituierten Exlibris auf raubgut.zlb.de:

Exlibris 395 - Alfred Peyser

Bruno Heymann

Widmung an Bruno Heymann von seinem Bruder Adolf
Widmung an Bruno Heymann

08.05.2015: zwei Bücher aus der Bibliothek von Bruno Heymann konnten zurückgegeben werden.

Prof. Dr. Bruno Heymann, geb. am 01.07.1871 in Breslau, war Arzt und Professor am Hygienischen Institut der Universität Berlin. 1935 aufgrund der Nürnberger Gesetze in den Ruhestand versetzt schrieb er die grundlegende Biographie von Robert Koch, bei dem hier restituierten Band handelt es sich um das Autorenexemplar des ersten Bandes. Bruno Heymann starb am 08.05.1943 vor seiner unmittelbar bevorstehenden Deportation im Jüdischen Krankenhaus Berlin.

Beide Bücher wurden laut Zugangsbuch der BStB von der Bergungsstelle geliefert. Ein konkreter Bergungsort wird nicht genannt, auch in den Büchern finden sich keine Spuren der Bergungsstelle (Bergungsnummern), weshalb die Lieferantenangabe als unsicher gelten muss. Es gibt keine weiteren identifizierbaren Spuren von Zwischenbesitzern.

Die restituierten Bücher auf raubgut.zlb.de:

Darwin, Charles: Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder die Erhaltung der begünstigten Rassen im Kampfe um's Dasein. Stuttgart, Schweizerbart, 1870

Heymann, Bruno: Robert Koch. (Grosse Männer : Studien zur Biologie des Genies ; 12). Leipzig, Akademische Verl.-Ges., 1932

Links:

Stürzbecher, Manfred, "Heymann, Bruno" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 88 [Onlinefassung]

Foto von Bruno Heymann bei gettyimages.com

Salomon Elkan

Stempel von Salomon Elkan mit dessen Adresse in Stuttgart
Stempel Salomon Elkan

18.05.2015: zwei Zeitschriftenbände aus der Bibliothek von Salomon Elkan wurden an die Akademie der Künste in Berlin übergeben.

Salomon Elkan, geb. am 03.03.1851 in Mönchsroth/Franken, war Schneider und lebte lange in Dortmund, wo er den Dortmunder Schachverein gründete, der noch heute existiert und seit 2012 jährlich den Salomon-Elkan-Preis für besondere Verdienste um das Sparkassen Chess-Meeting vergibt. Elkan lebte ab Mitte der 1920er Jahre bis zu seinem Tod am 06.03.1940 in Stuttgart.

Salomon Elkan war wie auch seine Familie als Jude verfolgt. Er war mit der 1861 in Heidelberg geborenen Rosalie Oppenheimer verheiratet. Der einzige Sohn, Benno Elkan, wurde am 02.12.1877 in Dortmund geboren und verstarb am 10. Januar 1960 in London. Benno Elkan gründete mit dem Dortmunder FC 1895, Dortmunds ältesten Fussballclub, und war 1900 Mitbegründer des FC Bayern München. International bekannt wurde Benno Elkan als Bildhauer, sein bekanntestes Werk ist die Knesset-Menora in Jerusalem. Ab 1933 wurden Benno Elkans Werke in Deutschland aus dem öffentlichen Raum entfernt und er wurde von der Reichskulturkammer mit Berufsverbot belegt. Benno Elkan emigrierte ca. 1934 unter dem Druck der Verfolgung nach London und überlebte so den Holocaust.

Zum Zugang der Bände kann keine Aussage getroffen werden, sie stammen aus unbearbeiteten Depotbeständen und enthalten keine Hinweise auf den Lieferanten oder Zwischenbesitzer.

Die Rückgabe erfolgte auf Wunsch der Erben von Salomon Elkan an die Akademie der Künste - Berlin, wo der Nachlass von Benno Elkan aufbewahrt wird.

Die restituierten Bücher auf raubgut.zlb.de:

Natur : ill. Halbmonatsschrift für alle Naturfreunde, Bd. 3/1912 und 10/1919

Links:

Akademie der Künste - Berlin: Benno Elkan Archiv

nordstadtblogger.de: Sie lebten für Schach, Kunst und Fußball: Benno und Salomon Elkan - die großen jüdischen Söhne Dortmunds

Sparkassen Chess-Meeting Dortmund: Salomon und Benno Elkan: Dortmunds Schach- und Fußballpioniere

Hedwig Simon

Autogramm: "Hedwig Brühl, 1887, Leipzig-Eutritzsch"
Autogramm: "Hedwig Brühl, 1887, Leipzig-Eutritzsch"

31.03.2015: ein Buch aus der Bibliothek von Hedwig Simon konnte zurückgegeben werden.

Hedwig Simon, geb. Brühl, verw. Fechheimer wurde am 01.06.1871 in Berlin geboren. Sie lebte mit ihrer Familie in den 1880er Jahren in Leipzig und kehrte später nach Berlin zurück. Hedwig Simon wurde als Jüdin verfolgt und beging am 31.08.1942 in Berlin Selbstmord.

Zum Zugang des Buchs kann keine Aussage getroffen werden, das Buch war nie in den Bibliotheksbestand eingearbeitet worden.

Das restituierte Buch auf raubgut.zlb.de:

Borel, Eugène: Grammaire francaise à l'usage des allemands. Stuttgart: Neff, 1882.

Martin Ziegler

Buch Bauen in Frankreich

11.03.2015: ein weiteres Buch aus der Bibliothek von Martin Ziegler konnte restituiert werden.

Das Buch kam über die Verwertungsstelle in die BStB und wurde 1952 in den Bestand eingearbeitet.

Das restituierte Buch auf raubgut.zlb.de:

Giedion, Sigfried: Bauen in Frankreich : Eisen : Eisenbeton. Leipzig [u.a.]: Klinkhardt & Biermann, [1928]

Iwan Schragenheim

Widmung: "Unserem lieben Neffen Iwan Schragenheim Verden zu seiner Barmizwah am 10 März 1906. von Onkel Elias und Tante Clärchen Schragenheim Hamburg."
Widmung: "Unserem lieben Neffen Iwan Schragenheim Verden zu seiner Barmizwah am 10 März 1906. von Onkel Elias und Tante Clärchen Schragenheim Hamburg."

10.03.2015: ein Buch aus der Bibliothek von Iwan Schragenheim konnte zurückgegeben werden.

Iwan Schragenheim, geb. 26.2.1893 in Verden, war ab 1919 mit Amalie Rund verheiratet und arbeitete als Kaufmann in Berlin. Schragenheim wurde als Jude verfolgt. Er konnte rechtzeitig aus Deutschland fliehen, kehrte später zurück und starb 1976 in Hannover.

Zum Zugang des Buchs kann keine Aussage getroffen werden, im Zugangsbuch wurde lediglich das Bücherlager der BStB als Lieferant verzeichnet.

Das restituierte Buch auf lootedculturalassets.de:

Vogt, Wilhelm: Welt- und Zeitgeschichte von 1862-1890. Heidelberg: Winter, 1892.

Links:

09.02.2012, Jüdische Allgemeine: Simon, Hermann: Ein großzügiger Typ

Eintrag für Iwan Schragenheim auf genealogy.net

Richard Kobrak

Ex Libris von Richard Kobrak
Ex Libris von Richard Kobrak

07.03.2015: ein Buch aus der Bibliothek von Richard Kobrak konnte zurückgegeben werden.

Dr. Richard Julius Kobrak, geb. am 15.10.1890 in Breslau, war Verwaltungsbeamter in Breslau und Berlin. Von 1927 bis 1933 war er Generaldezernent im Landes-Wohlfahrts und-Jugendamt der Stadt Berlin.

Im April 1939 wurde Kobrak auf Grundlage des "Gesetztes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" entlassen. Richard Kobrak und seine Frau Charlotte wurden 1943 nach Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet.

Das zurückgegebene Buch wurde in der BStB 1951 im Zugangsbuch „Dombrowski“ erfasst. Dabei handelt es sich um einen Zugang von etwa 1 000 Exemplaren die vermutlich vom Magistrat von Berlin an die BStB abgegeben wurden. Darunter befindet sich eindeutiges Raubgut, meist aus Privatbesitz, neben unverdächtigen Exemplaren.

Das restituierte Buch auf raubgut.zlb.de:

Hertling, Georg Graf von: Recht, Staat und Gesellschaft. Kempten [u.a.]: Kösel, 1917.

Literatur:

Reinicke, Peter: Dr. Richard Kobrak. Ein Vertreter der modernen Wohlfahrtspflege. In: Soziale Arbeit 56, 2007, S. 261-268.

Links:

Stolperstein in Berlin für Richard Kobrak

Stolperstein in Berlin für Charlotte Kobrak geb. Stern

Arthur Rubinstein

Arthur Rubinstein (Foto: Carl van Vechten, 1937)
Arthur Rubinstein (Foto: Carl van Vechten, 1937)

25.02.2015: ein Buch aus der Bibliothek von Arthur Rubinstein konnte zurückgegeben werden.

Der 1887 in Łódź geborne Pianist Arthur Rubinstein lebte bis Oktober 1939 in Paris bevor er mit seiner Familie in die USA flüchtete und so den Holocaust überlebte.

Wie das Buch in den Bestand der Berliner Stadtbibliothek gelangte ist unklar, anzunehmen ist, dass es Bestandteil des vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg in Paris konfiszierten Hausrats der Familie Rubinstein war.

Eine Widmung des Autors, Ronaldo de Carvalho, legt nahe, dass das Buch Rubinstein während dessen Aufenthalt in Rio de Janeiro um 1920 geschenkt worden war.

Das restituierte Buch auf raubgut.zlb.de:

Carvalho, Ronald de: Poemas e Sonetos (Obra premida pela academia de Lefras). Rio: Leite Ribeiro & Maurillo, 1919.

Link:

Arthur Rubinstein bei Wikipedia

Adelheid und Max Nathanson

Handschriftliche Exemplarnummer von Adelheid Nathanson
Handschriftliche Exemplarnummer von Adelheid Nathanson

19.01.2015: ein weiteres Buch aus der Bibliothek von Adelheid und Max Nathanson konnte zurückgegeben werden.

Die Bücher von Adelheid und Max Nathanson erwarb die BStB 1943 im Zuge des Ankaufs von ~40.000 Büchern der deportierten Berliner Juden.

Das restituierte Buch auf raubgut.zlb.de:

Jayadeva: Gitagovinda : das indische Hohelied (Insel-Bücherei 303). Leipzig, Insel-Verl. [1920].

Arbeiterkammer Wien

Exlibris von Engelbert Pernerstorfer mit aufgestempelter Signatur der Bibliothek der Arbeiterkammer Wien
Exlibris von Engelbert Pernerstorfer mit aufgestempelter Signatur der Bibliothek der Arbeiterkammer Wien

19.01.2015: ein weiteres Buch aus dem Bestand der Bibliothek der Arbeiterkammer Wien konnten an die AK Bibliothek Wien für Sozialwissenschaften restituiert werden. Das Buch stammt aus der Bibliothek von Engelbert Pernerstorfer.

Die Vorgängereinrichtungen der ZLB erlangten die Bücher nach Kriegsende über die Bergungsstelle für wissenschaftliche Bibliotheken.

Das restituierte Buch auf raubgut.zlb.de:

Ritter, Carl: Geschichte der Erdkunde und der Entdeckungen : Vorlesungen. Berlin: Reimer, 1861.