Restitutionen vor 2011

Walter Lachmann

22.06.2009: ein Buch konnte an Wolfgang Walter Lachmann restituiert werden.

Fast 70 Jahre nach Kriegsende ist es unwahrscheinlich, ein Buch an den ursprünglichen Eigentümer und nicht an die Erben zurückgeben zu können. Doch gab es ein solches „Wunder“, wie es Walter Lachmann, der 2009 sein Kinderbuch zurückerhielt, ausdrückte. Die Ausstellung „Geraubt! Die Bücher der Berliner Juden“ von Detlef Bockenkamm wurde vom November 2008 bis zum April 2009 in der ZLB gezeigt. Michael Sontheimer berichtete im Oktober 2008 in seinem Artikel „Stumme Zeugen“ für den Spiegel über die Ausstellung und die Provenienzrecherche in der ZLB. Dabei zitierte er eine Widmung aus einem zufällig ausgewählten Kinderbuch „dem lieben Wolfgang Lachmann in Freundschaft gewidmet, Chanuka 5698, Dezember 1937.“

Dieser Wolfgang Lachmann meldete sich wenige Tage später, er glaube, dies sei sein Buch. Herr Lachmann wurde am 28. Mai 1928 in Berlin geboren. Vater und Mutter starben Ende der 30er Jahre an Krankheiten und Wolfgang lebte bei der Großmutter, seiner einzigen Verwandten. Am 21. Januar 1942 wurde er zusammen mit ihr nach Riga verschleppt – die Großmutter kurz darauf ermordet. Wolfgang Lachmann überlebte und wurde am 15. April 1945 in Bergen-Belsen befreit. 1946 emigrierte er, nun als Walter Lachmann, in die USA, wo er bis heute lebt. Aus der Zeit vor der Verfolgung besitzt er nur ein Foto und nun ein kleines Kinderbuch – nicht sein Lieblingsbuch, wie er anmerkte. Im August 2011 hat uns Herr Lachmann besucht und Berliner Schülern aus seinem Leben erzählt.

Das restituierte Buch auf lootedculturalassets.de:

Gut, E.: Für unsere Jugend : ein Unterhaltungsbuch für israelitische Knaben und Mädchen. Frankfurt / Main: Kauffmann, 1921

Links:

Melonie Magruder: A Holocaust survivor's childhood book comes home.

Tom Berg: A child's book, looted by Nazis, finds its owner.

USHMM: Wolfgang Lachman.

Karl Marx Haus Trier

2002: insgesamt 75 Bücher mit dem Stempel des Karl-Marx-Hauses Trier wurden an die Friedrich-Ebert-Stiftung restituiert.

Die Provenienzrecherche in der ZLB begann, als 2002 Bücher ge­funden wurden, bei denen es sich eindeutig um "Fremd­besitz" handelte. Sie trugen den Stempel der Bibliothek des Karl-Marx-Hauses Trier, eine Einrichtung der Sozial­demo­kratischen Partei Deutschlands. Diese Bibliothek wurde 1932/33 in Berlin neu aufgebaut und direkt nach der Macht­­übertragung be­schlag­nahmt. Die Bücher waren zusammen mit anderen SPD-Beständen an das „Institut für Politische Pädagogik“ der damaligen Friedrich-Wilhelms-Universität, der heutigen Humboldt-Universität zu Berlin, abgegeben worden. Zu Kriegsende befanden sie sich vermutlich in einem Keller der Staats­bibliothek zu Berlin, wurden dort von der Bergungs­stelle für wissen­schaftliche Bibliotheken entdeckt und abtransportiert. Die Sowjetische Trophäen­kommission brachte einen Großteil der Bücher nach Moskau die erst in den 90er Jahren zurück nach Trier überführt wurden. Die 1945 in Berlin verbliebenen Bücher gab die Bergungsstelle an Vorgängereinrichtungen der ZLB, die Berliner Stadtbibliothek und die Ratsbibliothek weiter, nicht ohne der SPD mitzuteilen, dass sich eine Suche nach deren Eigentum nicht lohne.

Literatur:

Neumann, Paul und Melis, François: Auf der Suche nach der SPD-Bibliothek 1945/46 : eine späte Würdigung. In: Die Marx-Engels-Werkausgaben in der UdSSR und DDR (1945 - 1968). Hamburg, 2006. - (Beiträge zur Marx-Engels-Forschung : Sonderband ; N.F., Bd. 5). S. 95 - 140.

Zimmermann, Rüdiger: Berlin - Offenbach - Washington - Bonn : Das Offenbach Archival Depot und die Gewerkschaftsbestände der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung. Erschienen in: AKMB-News : Informationen zu Kunst, Museum und Bibliothek, Jg. 8 (2002), H. 2, S. 11 - 17.

Link:

Website der Friedrich-Ebert-Stiftung