Dialogverfahren "städtebauliche Machbarkeitsstudie ZLB am Blücherplatz“

In den letzten Monaten wurde ein Dialogverfahren "städtebauliche Machbarkeitsstudie ZLB am Blücherplatz" durchgeführt. In dieser Reihe diskutierten Stadtplaner*innen, Architekt*innen, Landschaftsplaner*innen, Verkehrsplaner*innen, Biblbiothekar*innen und Bürger*innen miteinander über die Möglichkeiten, wie der Neubau auf dem Gelände an der AGB gut eingepasst werden kann. Besondere Beachtung fand dabei der Umgang mit dem Baudenkmal der Amerika-Gedenkbibliothek, mit der Grünanlage am Blücherplatz und der komplexen Verkehrssituation sowie mit der Blücherstraße. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage der weiteren Planung des Neubaus und der Freianlagen. Zur Abschlussveranstaltung stellte ein Planungsteam allen interessierten Besucherinnen und Besuchern die aktuellen Ergebnisse für die städtebauliche Machbarkeitsstudie zum Neubau der ZLB am Blücherplatz vor.

Diskutiert wurden die Ergebnisse unter anderem mit
Senator Dr. Klaus Lederer, Senatsverwaltung für Kultur und Europa
Manfred Kühne, Senatsverwaltung Stadtentwicklung und Wohnen
Baustadtrat Florian Schmidt, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
Horst Wohlfarth von Alm, Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
Volker Heller, Vorstand der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB)

Erkenntnisse aus der Machbarkeitsstudie

Hintergrund – Ein neuer zentraler Standort für die ZLB
Die Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) ist die größte öffentliche Bibliothek Deutschlands. Sie hatte im Jahr 2019 über 1,5 Millionen Besucherinnen und Besucher und ist da-mit die am besten besuchte Kultureinrichtung Berlins. Sie ist gegenwärtig in der Stadt aufgeteilt auf zwei Publikumsstandorte und ein Außenmagazin – räumliche Bedingungen, die unzureichend und nicht bedarfsgerecht sind. An einem Standort vereint kann die ZLB ein wichtiges Zeichen für Kultur und Bildung in Berlin setzen und ihr volles Potential entfalten. Im Juni 2018 hat der Berliner Senat nach einer intensiven Prüfung unterschiedlicher Standorte entschieden, die ZLB am Blücherplatz zu errichten – ergänzend zu ihrem Gebäude Amerika-Gedenkbibliothek.

Eine innovative Bibliothek am Standort Blücherplatz
Als Metropolenbibliothek soll die neue ZLB mit voraussichtlich 38.000 m² Nutzfläche ein Ort der Informations- und Wissensvermittlung, vor allem aber ein identitätsstiftender, gemeinsamer Ort für die Berlinerinnen und Berliner sein und Vielfalt und Zusammenleben in der Metropole fördern. Mit ihrem Medien- und Dienstleistungsangebot, attraktiven Räumen, Begegnungs-, Aufenthalts- und Arbeitsmöglichkeiten sowie Gastronomie- und Veranstaltungsangeboten soll die ZLB zu einem Knotenpunkt für Kultur, Bildung, Chancengleichheit, Freizeitgestaltung und gesellschaftlichem En-gagement werden und internationale Ausstrahlung entfalten.

Das Planungsgebiet liegt im Sanierungsgebiet "Südliche Friedrichstadt". Es wird im Norden be-grenzt vom Landwehrkanal, im Osten von der Zossener Straße, im Süden von der Blücherstraße und im Westen vom Blücherplatz. Prägend für das Areal um den Blücherplatz sind heute neben der denkmalgeschützten Amerika-Gedenkbibliothek die Grünanlage samt Baumbestand sowie wichtige Verkehrstrassen, die das Gebiet tangieren. Im Zuge der Entwicklung der ZLB am Blücher-platz geht es darum einen neuen, hochwertigen Stadtraum für die Öffentlichkeit zu entwickeln – an diesem Ort findet Bibliothek Stadt, und Stadt findet Bibliothek.

Dialogverfahren – Gemeinsam Stadt entwickeln
Die neue ZLB wird ergänzend zur Amerika-Gedenkbibliothek weitere Gebäudeteile benötigen und den Blücherplatz städtebaulich verändern. Der Frage, wie dies auf eine verträgliche und positive Weise geschehen kann, widmete sich das interdisziplinäre Planungsteam bestehend aus David Chipperfield Architects (Architektur), Urban Catalyst (Städtebau und Freiraumplanung) und LK Ar-gus (Verkehrsplanung). Das Planungsteam entwarf bewusst noch keine architektonischen, son-dern unterschiedliche städtebauliche Lösungsansätze und diskutierte anhand dieser in einer Reihe von öffentlichen Veranstaltungen die Rahmenbedingungen der künftigen Planung. Das konkrete städtebauliche, architektonische und freiraumplanerische Konzept wird im Anschluss an diese Machbarkeitsstudie in einem Architekturwettbewerb ermittelt werden.

Der intensive Dialog mit der Öffentlichkeit und den zahlreichen beteiligten Verwaltungen begann mit Stadtspaziergängen und einer Auftaktveranstaltung. Zwei Informationsveranstaltungen dienten der Präsentation des jeweils aktuellen Planungsstands und ermöglichten den Austausch zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Planungsteam und Fachleuten. In zwei nachfolgenden Planungswerk-stätten wurde konstruktiv und leidenschaftlich an Plänen und Modellen gearbeitet, um zueinander in Konkurrenz stehende Ziele und Anforderungen aufzulösen, z. B. zwischen dem Denkmalschutz der Amerika-Gedenkbibliothek und einer optimalen Nutzung der ZLB in Altbau und Neubau. In res-pektvollem Miteinander aller Mitwirkenden und der enormen Kompromissbereitschaft konnten so die Gestaltungsmöglichkeiten für die ZLB am Blücherplatz deutlich erweitert werden.

Wichtige Akteure dieses transparenten und kooperativen Dialogverfahrens waren ein Bürgerinnen- und Bürger-Gremium sowie ein Beraterinnen- und Berater-Gremium, welche die unterschiedlichen Positionen an einem Tisch versammelten und den Aushandlungsprozess wesentlich prägten. Durch die Formulierung von Hinweisen zu den jeweiligen Planungsergebnissen konnten die Gre-mien ihre untereinander abgewogenen Standpunkte an das Planungsteam adressieren und den Prozess mitgestalten.

Zentrale Erkenntnisse
Verschiedene teilweise einander entgegenstehende Zielvorgaben wurden im Rahmen der Mach-barkeitsstudie untersucht. Durch den intensiven Austausch und Dialog konnten Ziele zusammen-geführt und dadurch neue Möglichkeitsräume für die weitere Planung erschlossen werden. Der Ar-beitsprozess des Dialogverfahrens hat u. a. folgende Erkenntnisse für den Standort der neuen ZLB am Blücherplatz gebracht:

  • Die städtebauliche Machbarkeit konnte nachgewiesen werden, die auch von der Öffentlich-keit mitgetragen wird. Das Projekt erfreut sich starker Unterstützung aus der Öffentlichkeit.
  • Der Blücherplatz ist von Bebauung weitgehend freizuhalten.
  • Der Neubau der ZLB muss sich behutsam zum denkmalgeschützten Altbau der Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) verhalten. Zwischen dem historischen Gebäude der AGB und ei-nem Neubau muss eine großzügige Verbindung entstehen.
  • Die Erdgeschosse der Bibliotheksbauten müssen sich eng mit dem öffentlichen Außenraum verzahnen. - Wichtige Elemente eines vernetzen Freiraums sind neben dem Ausbau des Blücherplatzes zu einem städtischen Platz die freiraumplanerische Anknüpfung an den südlich gelegenen Friedhof und der Erhalt von Erholungsflächen und wichtiger Wegeverbindungen.
  • Im Süden des Plangebiets wurde im Prozess die Möglichkeit erarbeitet, die Blücherstraße für den Autoverkehr zu schließen und dort eine Mobilitätsachse zu entwickeln. Dadurch sol-len neue, attraktive Verbindungen zum Blücherplatz entstehen und die Insellage aufgelöst werden.

Wie geht es weiter?
Der Abschlussbericht wird voraussichtlich ab dem XX.03.2020 online unter www.zlb.de/neubau zur Verfügung stehen. Die beteiligten Verwaltungen und Institutionen werden den Weg weiterhin ge-meinschaftlich weitergehen und die Öffentlichkeit kontinuierlich über den Fortgang des Projekts ak-tiv informieren und zentrale Fragen erörtern.
Die nächsten Schritte von der Planung bis zur Realisierung der ZLB am Blücherplatz lauten wie folgt (wird durch eine Abbildung unterstützt):

  1. 2020: Konkretisierung des Bedarfsprogramms für die ZLB
  2. 2020/21: Durchführung des Architekturwettbewerbs und Beauftragung
  3. 2021-25: vorbereitende Planung und Ausführungsplanung
  4. 2026: Baubeginn

Veranstaltet wurde die Reihe von der:

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen
Württembergische Straße 6, 10707 Berlin
www.stadtentwicklung.berlin.de/staedtebau

in Kooperation mit
Senatsverwaltung für Kultur und Europa
Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
Landesdenkmalamt Berlin
Berliner Immobilienmanagement
Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Prozessbegleitung
büro luchterhandt. stadtplaner architekten landschaftsarchitekten
Shanghaiallee 6, 20457 Hamburg

Die Zusammenführung der Bibliothek

Standort entschieden - wir freuen uns auf einen Neubau an der Amerika-Gedenkbibliothek

Am 19.07.2018 hat der Berliner Senat den Standort Amerika-Gedenkbibliothek am Blücherplatz für die Zusammenführung der Zentral- und Landesbibliothek Berlin unter einem Dach entschieden. Die ZLB begrüßt diese Entscheidung und freut sich auf große Entschlossenheit des Senats bei der Finanzierung und Realisierung dieses für Berlin so wichtigen Kultur- und Bildungsprojekts.

Die ZLB wird die Stadtgesellschaft in verschiedenen Partizipationsprozessen an der Entwicklung des Neubauvorhabens beteiligen, in denen Bürger*innen ihre Ideen und Wünsche in die Planungen einbringen. Gestartet ist der Prozess mit dem Themenraum „Bibliothek findet Stadt - Stadt findet Bibliothek“ in der Amerika-Gedenkbibliothek. Die Ideen und Ergebnisse dieses ersten Schrittes finden Sie hier.

In 2018 hat die ZLB  die Zahl von 1,5 Millionen Besucherinnen und Besuchern erreicht und ist damit bei weitem die am besten besuchte öffentlich geförderte Kultureinrichtung Berlins. Sie steht für barrierefreien Zugang zu Bildung und Wissen genauso wie für die Möglichkeiten selbstbestimmten Lesens und Lernens. Und sie ist der Ort, an dem Wissen geteilt wird. Im Neubau wird sie auch als „Forum der Stadtgesellschaft“ fungieren, ein Ort für gelebte Demokratie und Austausch der Bürger*innen untereinander, angereichert durch die Informationen aus der Bibliothek.

Die ZLB ist heute auf zwei Standorte, die Berliner Stadtbibliothek in Mitte und die Amerika-Gedenkbibliothek in Kreuzberg verteilt. Dazu kommt ein Außenmagazin im Westhafen. Die Gebäude ermöglichen wenig Flexibilität, die Nutzenden müssen hin und her reisen und heute standardmäßig angebotene Bibliotheksfunktionen können wegen Platzmangels nur eingeschränkt geboten werden. Die ZLB bemüht sich seit vielen Jahren um die Zusammenführung unter einem Dach.