Die Datenerhebung


Um ein Landeskonzept als strategische Planungsgrundlage für die künftigen Bemühungen des Landes im Bereich der Bestandserhaltung erarbeiten zu können, bedarf es aktueller und valider Daten, die ab Mitte Oktober 2020 im Rahmen einer fundierten zweiteiligen Erhebung in zahlreichen Archiven, Bibliotheken und vergleichbaren Schriftgut bewahrenden Einrichtungen im Land Berlin erfasst werden. Voraussetzung für die Auswahl war die Erarbeitung und Festlegung klarer und verbindlicher Kriterien und Definitionen hinsichtlich der anzusprechenden Einrichtungen und den im Fokus stehenden Medien- und Bestandsgruppen:

Zur Betrachtungsgruppe gehören Bibliotheken, Archive und vergleichbare Kulturgut bewahrende Einrichtungen des öffentlichen und des privaten Rechts sowie in kirchlicher Trägerschaft, die sich im Land Berlin befinden und deren öffentliche Zugänglichkeit langfristig gesichert und auch nachgewiesen ist. Öffentliche zugänglich ist hierbei nicht gleichbedeutend mit regelmäßigen Öffnungszeiten. Sie ist auch dann gegeben, wenn die personellen oder infrastrukturellen Gegebenheiten der Einrichtung den Zugang durch Wartezeiten oder eine Voranmeldung beschränken oder besondere Geheimhaltungsvorschriften bzw. Schutzfristen einer Nutzungsfreigabe entgegenstehen. Grundsätzlich muss der Zugang durch eine Bestimmung geregelt und für jede Person möglich sein. Er darf sich nicht nur auf eine bestimmte Personengruppe beschränken. Ausgenommen sind Einrichtungen in ausschließlicher oder mehrheitlicher (über 50%) Trägerschaft des Bundes, anderer Bundesländer oder Nationen.

Im Fokus von Erhebung und Landeskonzept steht das in Archiven, Bibliotheken und vergleichbaren Einrichtungen aufbewahrte schriftliche Kulturgut in Form von Akten, Karten, Urkunden, Autographen, handgeschriebenen oder gedruckten Büchern, Nachlässen uvm., welches vornehmlich auf den Trägermaterialien Papier, Pergament, Papyrus sowie weiteren pflanzlichen oder aus Pflanzenfasern erzeugten Beschreibstoffen überliefert wurde. Ausgenommen sind audiovisuelle Medien, grafische Kunstwerke, Gemälde sowie andere Werke der Bildenden Kunst.

In Archiven

Die in Archiven bewahrten Überlieferungen sind Zeugnisse von Verwaltungshandeln, Geschäftstätigkeit sowie sonstiger amtlicher und auch privater Kommunikation. Sie sind unikal und spiegeln die maßgeblichen Informations-, Entscheidungs- und Handlungsprozesse ihrer Entstehung in einem Höchstmaß an Authentizität wider. Aufgrund seines wissenschaftlichen, rechtlichen, sozialen oder historisch-kulturellen Informationsgehalts ist Archivgut von hohem Erkenntniswert und trägt so zum Gedächtnis der Gesellschaft bei. Die Feststellung der Archivwürdigkeit erfolgt im Rahmen der archivischen Bewertung und führt zur Umwidmung der Überlieferungen in Archivgut, welches geschützt durch spezielle Archivgesetze für die dauernde Aufbewahrung in Archiven vorgesehen ist.

Die besondere, herausgehobene Bedeutung von Archivbeständen im Sinne des Landeskonzeptes ergibt sich aus:

  • einem hohen inhaltlichen Wert, z.B. für die Nachvollziehbarkeit von Verwaltungshandeln oder für die Geschichte Berlins
  • einer zeittypischen Erscheinungsform der Archivalie
  • einem hohen Wert für die Erforschung der deutschen Geschichte am Wirkungsort Berlin
  • einem hohen wissenschaftlichen oder künstlerischen Wert
  • anerkannter (nationaler/internationaler) Rarität mit vielfältigen Schnittstellen zu anderen Beständen
  • einem übergeordneten gesellschaftlichen Interesse, z.B. durch die zeitgeschichtliche Stellung oder eine geringe Überlieferungsdichte infolge von Verlust resp. Vernichtung
  • hoher juristischer Beweiskraft
In Bibliotheken

Das in Bibliotheken gesammelte Kulturgut wird erschlossen und bewahrt, um das ihnen innewohnende Wissen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und somit zu übermitteln. Für einige Bibliotheken erwächst aus ihrem jeweiligen Sammlungsprofil ein entsprechender Archivierungsauftrag für das ihnen anvertraute kulturelle Erbe. Dieses Bibliotheksgut gilt es durch sachgerechte Aufbewahrung und Erschließung sowie durch geeignete Maßnahmen der Konservierung, Restaurierung und Digitalisierung zu bewahren und für den öffentlichen Gebrauch zu erhalten. Jene Archivfunktion kommt vorrangig den wissenschaftlichen Bibliotheken zu und richtet sich danach, ob sie als Universalbibliothek von nationaler Bedeutung oder zentrale Fachbibliothek nationale bzw. überregionale Aufgaben der Literaturversorgung erfüllen; ob sie als Landes- bzw. Regionalbibliothek einerseits die Versorgung der Region mit wissenschaftlicher Literatur und andererseits die Sammlung, Erschließung und Bereitstellung der Regionalliteratur gewährleisten; ob sie als Universitäts- und Hochschulbibliothek die für Lehre und Forschung an der jeweiligen Einrichtung notwendige Literatur zur Verfügung stellen oder ob sie als Spezial- bzw. Fachbibliothek die Literatur eines bestimmtes Fachgebietes zumeist für eine fachlich spezialisierte Institution bereithalten.

In Anlehnung an die bereits in anderen Bundesländern erarbeiteten Landeskonzeptionen sind folgende Bestandsgruppen unter dem Begriff der „schutzwürdigen Literatur“ zu fassen:

► Jedes vorhandene Exemplar, unabhängig von Sprache, Druck- oder Aufbewahrungsort:

  • ­­Urkunden; Handschriften; Autographen; Nachlässe von hohem kulturhistorischen Wert­
  • Inkunabeln (Wiegendrucke)
  • Drucke vor 1850, da sie aufgrund ihrer äußeren Gestalt (Handpressendrucke, Hadernpapiere, individuelle Einbände, Kolorierungen) und Gebrauchsgeschichte (Marginalien, Provenienzvermerke) unikalen Charakter besitzen (inkl. Karten, Noten, Einblattdrucken

► Bestände ab 1850, sofern sie für Wissenschaft, Lehre, Forschung, Kultur und Gesellschaft in Berlin nach gegenwärtiger Einschätzung von dauerhaftem Wert sind:

  • landeskundliche Literatur (Berolinensien)
  • Schriftgut mit herausragender Bedeutung für das Selbstverständnis der Einrichtung und ihren Sammlungskontext: Sondersammelgebiete, wertvolle geschlossene, historisch gewachsene Sammlungen u. Spezialbestände (Ensemblecharakter)
  • zum regionalen, nationalen und internationalen Kulturerbe zählendes Schriftgut
  • Pflichtexemplare, d.h. auf dem Territorium des heutigen Berlin erschienene Literatur
  • Wertvolle Einzelstücke, Unica, Rara (intrinsischer Wert)
  • Hochschulschriften der Berliner Hochschulen
  • Historische Karten, Pläne und Bauzeichnungen
  • Historische Noten
In vergleichbaren Kulturgut bewahrenden Einrichtungen

Vergleichbare Kulturgut bewahrende Einrichtungen wie Museen, Dokumentationszentren oder Gedenkstätten orientieren sich an den Priorisierungskriterien für das in Archiven und Bibliotheken aufbewahrte bedeutende Schriftgut.

Nachdem eine möglichst umfassende und aktuelle Übersicht der schriftliches Kulturgut bewahrenden Einrichtungen Berlins erstellt und schließlich die Auswahl der Befragungsgruppe getroffen wurde, haben wir in Vorbereitung der zweiteiligen Erhebung zielgerichtete und bedarfsorientierte Befragungsformate entwickelt.

Basis des ersten Teils dieser Erhebung ist ein Fragebogen, der auf die Erfassung der besonders bedeutenden und bedrohten Bestände der Einrichtungen fokussiert. Er untergliedert sich in fünf Rubriken:

  • A   Angaben zur Institution
  • B   Angaben zu den besonders bedeutenden und gefährdeten Beständen
  • C   Angaben zur Bestandserhaltung in der Einrichtung
  • D   Unterstützung bei der Bestandserhaltung
  • E   Informationen

Die Rubrik, in der Sie sich gerade befinden, können Sie der Kopfzeile der jeweiligen Seite entnehmen. Die Fragen der einzelnen Rubriken sind nach der Form "A1"; "A2"; "C5" usw. bezeichnet. Da Sie uns in Rubrik B Ihre als besonders bedeutend und gefährdet priorisierten Bestände vorstellen sollen, haben wir den Rubriknamen mit einer für den jeweiligen Bestand entsprechenden Zusatzbezeichnung "Bestand a"; "Bestand b" usw. versehen, die sich auch in der Kennzeichnung der Fragen "B[a]1"; "B[a]2"; "B[a]13" usw. widerspiegelt. Der Online-Fragebogen enthält die Rubrik B insgesamt fünfmal. Das PDF-Formular enthält die Rubrik B in einfacher Ausfertigung. Um hier einen weiteren Bestand vorzustellen, haben wir Ihnen vier Vorlagen der Rubrik B in einer gesonderten Datei zusammengestellt. So können Sie frei wählen, wie viele weitere Vorlagen der Rubrik B Sie benötigen und dementsprechend ausdrucken möchten. Sollten Sie mehr als fünf priorisierte Bestände vorstellen wollen, kontaktieren Sie uns bitte.

Der Fragebogen kann über folgende Wege abgerufen, ausgefüllt und bei uns eingereicht werden:

  • (A)   Entweder Sie füllen die Online-Version des Fragebogens aus und übermitteln Ihre Daten automatisch an uns.
  • (B)   Oder Sie laden den Fragebogen sowie das Vorlagendokument zu Rubrik B als PDF-Formular herunter und füllen diese entweder digital am PC oder handschriftlich als Ausdruck aus. Den beantworteten Fragebogen können Sie anschließend entweder digital an kbe@zlb.de oder als Ausdruck per Post an uns übermitteln.

Für den ersten Teil der Erhebung haben wir die zahlreichen Kulturgut bewahrenden Einrichtungen Berlins in Gruppen eingeteilt, die wir mit dem Beginn der Erhebung sukzessive kontaktieren werden, um ihnen unseren Fragebogen sowie eine unterstützende Ausfüllhilfe bereitzustellen.
Unabhängig davon stehen Fragebogen und Ausfüllhilfe vom 12. Oktober 2020 bis zum 31. Januar 2021 auch auf unserer Projektwebsitezur Verfügung, sodass Sie sich gern auch schon vor unserer Kontaktaufnahme an der Erhebung beteiligen können.

Sollten sich Fragen ergeben, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren. Sie erreichen uns per Mail über kbe@zlb.de oder telefonisch unter 030/90226 - 637 / 638. Zudem bieten wir Ihnen die Möglichkeit, Sie virtuell oder vor Ort bei der Beantwortung des Fragebogens zu begleiten. Sollten Sie dieses Angebot in Anspruch nehmen wollen, vereinbaren Sie bitte einen Termin. Wir helfen Ihnen sehr gern und freuen uns auf Ihre Antworten.
Herzlichen Dank für Ihre Mitwirkung und Unterstützung!