Schatz des Monats

Und dieses Mal eine Werbebroschüre des Cafés Moka Efti von 1929

Moka Efti Equitable – das Etagenkaffeehaus an Berlins populärster Ecke

Der neunte Kutscher-Roman „Transatlantik“ und die vierte Staffel von Babylon Berlin sind gerade in aller Munde, und da packen wir gern eine echte Rarität aus. Es handelt sich um eine reich illustrierte Werbebroschüre des Moka Efti-Konzerns aus dem Jahr 1929. Diese sollte die genusssüchtige Berliner Bohème an „Berlins populärste Ecke“ locken. Genauer, an die Ecke Friedrichstraße/Leipziger Straße, denn dort erstrahlte der neue Kaffeetempel Moka Efti Equitable mit imposanter Innenausstattung und allem modernen Komfort. Auf zwei Etagen wollte der Kaffeehausbesitzer Giovanni Eftimiades „ein Stück Orient für die Berliner City“ erschaffen.

Eine echte Rarität in der ZLB

Viele kleine Federzeichnungen und kolorierte Ansichten geben ungewöhnliche Einblicke ins Innere des damaligen Moka Efti. Anschauen kann man sich diese 32 Seiten starke Werbeschrift in den Berlin-Sammlungen. Diese Rarität ist weltweit tatsächlich nur in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) nachgewiesen.

Marmor, Majolika und viel echtes Grün

Auf den ersten Seiten nimmt der Innenarchitekt und Raumausstatter Urban Beaury die Leser und Leserinnen mit auf eine Führung durchs neue Moka Efti. Er begleitet sie Raum für Raum durch das „Etagenkaffeehaus“ – so zum Beispiel durch die mit weißem Marmor ausgestattete Konditorei, die große Café-Bar mit Majolika-Motiven, die farbenfrohen Konzerträume und den Billardsaal. Anschaulich erläutert er dabei die Beweggründe und Ideen hinter den vielen architektonischen Raffinessen. Dazu zählte auch sein Wunsch möglichst viele Pflanzen auf den rund 2.800 Quadratmetern Fläche zu gruppieren. Dies gelang durch den Einbau vieler Oberlichte mit farbigen Bleiverglasungen für eine größere Lichtzufuhr. Blumen stellte er beispielsweise in doppelt verglaste Fenster.

Nur eine Tasse Kaffee? Aber mit Sahne von Schmidt!

Bei allen architektonischen Details, die in der Broschüre beleuchtet werden, geht es doch auch um das wichtigste Elixier in einem Café, den Kaffee selbst! So erfahren die Leser und Leserinnen viel über die Geschichte und Zubereitung des Kaffees. Die silbern blitzenden neuesten Dorag-Frischkaffeemaschinen beispielsweise, die durch die Fensterscheiben von der Friedrichstraße aus zu sehen waren, brühten bis zu 900 Tassen Kaffee pro Stunde. Und die Preise? Die Gäste erwartete „eine Schale echten Kaffees, frei von Surrogaten, liebenswürdig auf den Tisch gestellt – macht 25 Pfennig an der Bar, dazu noch Musik“. Was wollte man mehr, außer noch etwas Sahne dazu? Die wurde übrigens von „Sahne-Schmidt“ aus Tiergarten geliefert.

Das erste Kaffeehaus der Welt mit Rolltreppe

Um „die langweilige und zeitraubende Fahrstuhlbeförderung“ zu vermeiden, konnte die Kundschaft von der Friedrichstraße kommend die legendäre Rolltreppe in die erste Etage nutzen. Das gute Stück wurde von der Maschinenfirma Carl Flohr AG hergestellt und eingebaut. Viele weitere Firmen, die an der Innenausstattung beteiligt waren, sind am Ende der Broschüre im Annoncenteil aufgeführt. Darunter finden sich der weltbekannte Stuhlhersteller Thonet, die „Sächsische Klubsessel-Fabrik“ und der Berliner Hersteller der Agelindus-Neonleuchtröhren für Lichtreklame.

Signatur: Oc 485:SEBI