Lustgarten (2)
Architektonisch bestimmte ab Mitte des 18.Jahrhunderts der neuerrichtete Dom, er wurde am 16. September 1750 eingeweiht, maßgeblich das Erscheinungsbild des Lustgartens. Der Dom wurde nach den Wünschen Friedrich Wilhelm I. als Ersatz für die Hof- und Domkirche auf dem Schlossplatz erbaut. Zwischen 1820 und 1822 wurde er durch Karl Friedrich Schinkel umgestaltet; 1829 wurde der Museumsbau, der ebenfalls von Schinkel stammt und für dessen Entwurf er eigens nach England und Frankreich geschickt wurde, um sich von den dortigen Museumsbauten inspirieren zu lassen, auf dem Lustgarten fertiggestellt.

Der Lustgarten mit dem Dom im Jahre 1878
Historische Postkarte (Zentrum für Berlin-Studien)
Wenig später (1831) wurde eine gewaltige Granitschale, auf dem Platz vor dem Museum aufgestellt, die allerdings bald einem Springbrunnen weichen mußte und näher an das Museum herangerückt wurde; der Springbrunnen seinerseits wurde 1871 gegen das Reiterdenkmal Friedrich Wilhelms III. ersetzt. Um 1830 wurde der Lustgarten gemäß seines ursprünglichen Zwecks auch wieder mit Pflanzen und Kieswegen versehen.
Der Neubau des Berliner Doms zwischen 1894 und 1905 durch Julius Carl Raschdorff änderte das Erscheinungsbild des Lustgarten radikal.

Neuer Dom
Historische Postkarte (Zentrum für Berlin-Studien)
In der Weimarer Republik wurde aus dem Lustgarten ein Ort der politischen Kundgebungen, vor allem der der Arbeiterbewegung. Am 7. Februar 1933, also kurz nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, wurde auf dem Lustgarten von SPDnahen Organisationen eine Demonstration veranstaltet, an der an die 200 000 Menschen teilnahmen, um gegen die Hitler-Regierung zu protestieren. Am 19. Februar 1933 fand der letzte Reichsbanneraufmarsch gegen die nationalsozialistische Regierung statt, der ebenfalls auf dem Lustgarten mit einer großen Kundgebung endete. (Sandvoß, S.22/23)

Lustgarten und Altes Museum
Historische Postkarte (Zentrum für Berlin-Studien)
In der Funktion als Kundgebungsplatz wurde der Lustgarten auch von den Nationalsozialisten benutzt; am 1. April 1933 rief Göbbels hier in einer Rede zum Boykott gegen die Juden auf, und 1935 wurde der Lustgarten zum offiziellen Aufmarschplatz der Nazis.
Neben den Nazi-Kundgebungen dieser Zeit war der Lustgarten allerdings auch in einem Fall Ort des antifaschistischen Protests; so verübte die Widerstandsgruppe um Herbert Baum am 18. Mai 1942 einen Brandanschlag auf die Propagandaaustellung "Das Sowjetparadies", der die Festnahme und Ermordung Herbert Baums und 28 anderer Menschen zur Folge hatte. (Sandvoß, S.169) Seit 1981 erinnert ein Gedenkstein an der Domseite am Rande des Lustgartens an die Widerstandsgruppe.
Anfang 1945 wurde der Lustgarten mit den an ihn grenzenden Gebäuden durch Bombenangriffe der Alliierten sehr stark beschädigt. Während das Stadtschloss 1950 gesprengt wurde, wurde der Schinkelsche Museumsbau aufwendig aufgebaut und konnte 1966 wiedereröffnet werden. Auch der Berliner Dom wurde restauriert. Am 24. September 1999 wurde der Lustgarten nach seiner Umgestaltung wiedereröffnet. (Rede von Senator Peter Strieder zur Wiedereröffnung des Lustgartens)