Seite 370, Absatz 3, Fußnote 74
"Die späteren Berichte von Gisevius haben sich
als unhaltbare, wohl durch die Braunbücher beeinflußte Legende erwiesen.74
"
"74Die diesbezügliche Kritik von Tobias
(S. 553 ff) ist in der Sache unwiderleglich."
Auf den Seiten 533 seines Buches bringt Tobias neben viel Polemik gegen Gisevius'Person mehrere sachliche Kritikpunkte an dessen Darstellung zum Reichstagbrand "In bis zum bitteren Ende" vor.
Es geht jetzt nicht darum, diese "in der Sache unwiderlegliche" Kritik insgesamt zu erörtern, an einigen wichtigen Punkten kann aber gezeigt werden, daß Tobias Gisevius-Kritik durchaus sachlich falsch und damit widerlegbar ist
Tobias behauptet unter anderem:
Hierzu ist festzustellen:
Das Reichstagsgebäude wurde 1894 fertiggestellt. Die Beheizungsanlagen waren aus Sicherheitsgründen nicht Reichstagsgebäude selbst, sondern in einem ca 100 meter östlich liegenden Heizkesselhaus untergebracht. Heizkesselhaus und Reichstag waren mit dem Tunnel verbunden, durch den Heizungsrohre gezogen waren und der auch den Heizern einen Weg von den Heizkesseln zu den Verteileranlagen im Reichstagsgebäude bot.
Das Reichstagspräsidentenpalais wurde erst 1904 fertiggestellt. Es lag auf einem Grundstück, das zwischen Reichstag und Heizkesselhaus lag und unter dem der Tunnel zwischen beiden hindurchlief
Da das unregelmäßig genutzte Reichstagsgebäude auch in der kalten Jahreszeit nicht ständig voll beheizt werden mußte, das Menschen dauernd als Wohnung dienende Reichstagspräsidentenpalais jederzeit erwärmbar sein mußte, genügte ein bloßes Anzapfen der Heizungsrohre nicht. Es mußten eigene Heizungsanlagen geschaffen werden, zu denen für die Bedürfnisse des Palais noch eine gesonderte Warmwasseranlage installiert wurde. Etwa in der gesamten Längsausdehnung des Hofes wurde der Gang auf ca. 4 meter verbreitert und durch mehrere Türen mit den Kellerräumen des Palais verbunden (Hervorhebung H.F.). In diesen Heizungsräumen, in denen an den Schmalseiten der Tunnel mündete, waren ein 1000 Liter Boiler, ein Koksofen (Strebelkessel) und Dampfverteiler untergebracht. (Hofer, Calic Der Reichstagsbrand Bd. 2, S. 197 ff
Tobias Darstellung des Tunnels und der Abzweigung ist falsch, wie bereits zu Fehler Nr. 6 dargelegt wurde (vgl. Abbildung in Anlage), ebenso unrichtig ist die Behauptung, Adermann habe mit seinen Aussagen unbestreitbar ausgeschlossen, daß der Gang benutzt worden sein könne.
Pförtner Adermann sagte am 11.3. 33 vor der Polizei aus:
"Wenn die betreffende Person auf Strümpfen p.p. den Gang hindurch geht, und vor allem die im Gang liegenden Laufbretter meidet und nebenher geht, können wir das Hindurchgehen nicht bemerken."
Vor Gericht sagte er am 18. 10. 33 folgendes aus:
"Verhielt er sich dabei nicht ganz leise (jemand, der durch den Gang lief H.F.), dann haben wir es oben in der Loge schon gehört. Denn da, wo die Bleche liegen, hätte er bestimmt einmal drauftapsen müssen, und dann hätten wir es oben bestimmt gehört."
