Ansgar Klein / Birgit Böhme
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Diskussionsforum zum Reichstagsbrand
6. Neue Quellenlage
Dieses Diskussionsforums soll dazu beitragen, den Stand der Forschungen zum Reichtagsbrand jenseits eingefahrener Diskussionsfronten zu überprüfen. Eine neue Quellenlage soll dabei in vollem Umfange berücksichtig werden. Dies gilt besonders für die Dokumente des Fonds 551 ( ca. 240 Konvolute mit ca. 50.000 Blatt), die im Bundesarchiv, Abteilung Potsdam (Zwischenarchiv Hoppegarten) gelagert sind. Diese Dokumente hatten die Sowjets 1945 nach Moskau verbracht. 1982 wurden sie von der KPDSU dem Zentralen Parteiarchiv der SED übergeben, blieben aber für Forschung und Justiz gesperrt. Diese Dokumente können - nunmehr zugänglich - vielleicht ein neues Licht auf die bisherige Forschung werfen.
Hersch Fischler, dessen Beiträge im Mittelpunkt der Startbeiträge des Forums stehen, hat die Quellen des Fonds 551 gesichtet und baut seine Argmente auf diesem Quellenstudium auf.
7. Einladung zur Beteiligung
Unser Angebot zur Beteiligung am Reichstagsbrandforum richtet sich ausdrücklich nicht nur an Geschichts- und Politikwissenschaftler, sondern auch an die Vertreter der Rechtswissenschaft. Und natürlich laden wir alle Interessenten jenseits des Fachpublikums zu Meinungsäußerungen ein.
Substantielle Beiträge werden nach einer redaktionellen Prüfung in den festen Stamm der Forumsbeiträge integriert.
Die Startbeiträge des Forums
Die Beiträge des Diskussionsforums liegen, worauf ausdrücklich hingewiesen wird, in der presserechtlichen Verantwortung der/des jeweiligen Autorin/Autors.
Wir eröffnen das Diskussionsforum zum Reichstagsbrand mit folgenden Beiträgen:
- Gerd. R. Ueberschär
und Jürgen Schmädeke skizzieren auf einer einführenden Ebene das Geschehen im Kontext des Reichstagsbrandes.
- Hersch Fischler
hat das zugängliche neue Quellenmaterial ausgewertet und begründet erheblichen Zweifel sowohl an der Alleintäterthese wie auch an den Argumenten aus dem Umfeld des Luxemburg-Komitees. Weder die Einzeltäterschaft van der Lubbes noch die alleinige Täterschaft der Nazis - unter Benutzung eines unterirdischen Ganges vom Reichstagspräsidentenpalais in den Reichstag - lassen sich als Täter nachweisen. Wichtige Indizien lassen vielmehr Schlüsse auf eine Zusammenarbeit von Nationalsozialisten und Nationalkonservativen zu. Wichtige Zeugen, die diese Anhaltspunkte hätten vertiefen können, sind im Prozeß nicht angehört und Spuren verwischt worden. Fischler diskutiert als einen möglichen Motivhintergrund, der für eine derartige Zusammenarbeit spricht, den "Osthilfeskandal. In ihn waren die Deutschnationale Partei, Reichspräsident von Hindenburg, Vizekanzler von Papen sowie selbst die kaiserliche Familie in Doorn verwickelt. Inwieweit die Quellenlage die Schlußfolgerungen wirklich trägt, bleibt zu diskutieren.
- Auch Iring Fetscher äußert erhebliche Zweifel an der Alleintäterthese. Er analysiert das Geständnis von van der Lubbe und beleuchtet die Zeugenaussagen kritisch, auf die sich die Alleintäterthese stützt. Fetscher sieht die zeitgeschichtliche Forschung vor der Aufgabe, sich unvoreingenommen den neuen Quellen zuzuwenden.
- Michael S. Cullen
ist ein Vertreter der Alleintäterthese van der Lubbes. Es beleuchtet insbesondere einen problematischen Umgangsstil, der sich zwischen den inhaltlichen Kontrahenten in der Täterfrage des Reichstagsbrandes entwickelt hat und kommentiert aus dieser Warte die Aktivitäten der Anhänger und Vertreter des ehemaligen Luxemburg-Komitees. Insbesondere kommentiert er die Aktivitäten von Hersch Fischler (der sich freilich nach eigenen Auskünften nicht dem Luxemburg-Komitee zurechnet).
- Kugel, Wilfried, Dr.
, Forschungen und Veröffentlichungen in den Bereichen Naturwissenschaft, Literaturwissenschaft,
Geschichte, Film, Religionspsychologie, Parapsychologie und Informatik und Alexander Bahar, ein enger Mitarbeiter von Walther Hofer und des Luxemburg-Komitees, haben uns einen bereits in der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft publizierten Beitrag für unser Forum zur Verfügung gestellt. Er stellt unter Berufung auf die Quellen des Fonds 551 Anhaltspunkte vor, die gegen die Alleintäterschaft van der Lubbes und die Täterschaft der Nationalsozialisten sprechen.
- Eine kleine Auswahlbibliographie soll angesichts der großen Anzahl von Publikationen einen ersten Einstieg in die Literatur ermöglichen.
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