Bahnhof Friedrichstraße
Chronik des Bahnhofs Friedrichstraße (Stadtbahn)
Wilhelm Hausenstein Berliner Eindrücke "Die Halle des Bahnhofs Friedrichstraße wölbt sich mit Glas und Eisen. Die Lichter sehen sich durch das Milchig-Opale der Scheiben weich an, rötlich-weich, wie umnebelt. Der Schatten des Zuges geht grau, unstofflich, geisterhaft durch den gläsernen Tunnel, ein Spielzeugschatten, ein Schattentheater, eine Japonaiserie; es ist schwer vorzustellen, daß der Zug aus Materie gemacht ist und Menschen führt. Es ist ein Märchenzug, und das quellende Barock seines weißen Rauches mit dem Abendrot aus den Lichtern der Mitternacht ist denen, die in der Hypnose stehn, das Gleichnis eines Wunders. Kein rasselndes Geräusch vom Bahnhof herab, der droben ist als eine Bühne; kein Lärm der Reibung; ja mit einem Male werden die Ohren taub, und dies Berlin ist still wie die schlafenden Schiffe, tonlos wie ein Kino, obwohl alles sich sputet und durch den Mechanismus dieses Augenblicks körperlich durchgetrieben wird - ein Transmissionsriemen über singenden Rädern." Aus: schreibt, S. 293-294 |