Um die Mitte des 18. Jahrhunderts findet sich in einer Berliner Zeitung die Erwähnung, daß "manche Leute um die Weihnachtszeit grüne Fichten in die Stube bringen". Um diese Zeit trugen die Bäume noch keine Lichter. Die erste Kunde von einem lichtergeschmückten Tannenbaum in Berlin geht auf einen Brief Caroline von Humboldts zurück, den sie 1815 an Wilhelm von Humboldt schrieb: "An zwei Enden eines langen Tisches brannten zwei kleine Weihnachtsbäume...". [...]
Folgt man zeitgenössischen Darstellungen um 1800, so bürgerten sich Weihnachtsbaum und -pyramide in Berlin zugleich ein; sprachlich wurde oftmals nicht einmal ein Unterschied zwischen beiden gemacht. 1827 ist im "Taschenbuch von Berlin" zu lesen, daß die Weihnachtsbäume "hier wegen der Ähnlichkeit in der Form allgemein Pyramiden genannt" wurden, und Glaßbrenner spricht noch zwanzig Jahre später (1847) von "künstlichen und natürlichen Pyramiden". Die hölzernen Pyramiden hatten vor allem den Vorteil, preisgünstig zu sein, denn selbst für wohlhabende Bürger waren Tannenbäume durch den Transport aus waldreichen Gegenden in die Stadt recht kostspielig.

Erst nach Fertigstellung der Eisenbahnlinien nach Elsterwerda und in den Harz (1851) konnten größere Mengen Weihnachtsbäume
"ebenso billig wie schön" angeboten werden.
Bis zu diesem Zeitpunkt war der Weihnachtsmarkt der einzige Ort, an welchem der Baum für das Fest erworben werden konnte.
Die Weihnachtsbaumhändler hatten zusammen mit den Pyramidenhändlern ihren bevorzugten Standplatz an der Stechbahn. [...]
Ab Mitte des Jahrhunderts reichte der Platz auf der Stechbahn für die vielen Verkäufer nicht mehr aus, [...]

Die zunehmende Beliebtheit des Weihnachtsbaumes läßt sich nicht allein mit der "Sehnsucht des Städters nach der Natur" erklären oder als romantischen Rückgriff auf altbekannte magische Symbolik deuten. Der Weihnachtsbaum entsprach vielmehr als Element ausgesprochen bürgerlicher Festkultur ganz dem Empfinden und dem Geschmack der Großbourgeoisie des "pompösen Zeitalters". Als Mittelpunkt der bürgerlichen Weihnachtsfeier wurde er zunehmend zum Symbol des deutschen Weihnachtsfestes. [...]
Text aus: Berliner Weihnachtsmarkt: Bilder und Geschichten aus 5 Jahrhunderten / Christa Lorenz. - Berlin :
Berlin-Information, 1987. - S. 67-69
Sign.: B 274 Wei 1
![]() | Zurück zum Adventskalender |