Nante und Brenneke sitzen an einem warmen Sommerabend im Freien zusammen und diskutieren den Verfassungsentwurf des
Ministeriums Camphausen. Daß der Verfassungsentwurf nicht auf der "breitesten Grundlage" ruht, also nicht die
Rechte und Interessen der gesamten Bevölkerung berücksichtigt, ist für Brenneke ein klarer Fall von Druck und Bestechung.
Er berichtet aus einem Gespräch mit einem Bediensteten des Ministerpräsidenten.
Brenneke:
Also, der Bediente meent, er wäre, also sein Herr wäre in etwas ufgeregten Zustand gewesen, als man ihm des Dokument
abverlangte. Er hatte nämlich eben mit eene hohe Person zusammen gearbeet´t, un ooch een Bisken gefrühstückt. -
Verstehste?
Nante:
Sehr! - -
Brenneke:
Un da greift er in sein Seckeltär nach de breitste Verfassung, verfaßt sich aber, un kommt aus Mißverständniß in´t
schmaalste Schubfach, wo er sonst immer sein Portefeil -
Nante (springt auf):
Feil? Feil? Wer is feil? - Ick muß das geehrte Mitglied ersuchen, diesen Ausdruck näher zu mottesieren.
Brenneke (ärgerlich):
Gebehrde Dir man nich immer gleich wie´n politischer Clubbist, sonst könnt´ et sich ereignen, daß meine äußerste
Linke mit des Centrum von Deine rechte Backe in unangenehme Kullisionen kommt. - Ick kenne Dir überhaupt gar nich wieder,
Nante. Vor´n Jahr warste so liberal un hast geopponirt wie Hansemann, und dieses Jahr schmecken Deine Reden alle wie
ministerielle Krebsbrühe. - ...
Nante (legt ihm die Hand auf den Mund):
Keene Injurien Brenneke. - Ick bin jetzt wieder Nante. Weeß der Deibel, ick habe gestern uf de Ministerbank gesessen, und
seit der Zeit is mir zu Muthe, als wenn ick det Wechselfieber hätte. - Laß uns jetzt zur Tagesordnung übergehn. - Prost!
(Er trinkt)
Brenneke (schmunzelnd):
So gefällst Du mir. (Trinkt ebenfalls). Dunderwetter! Det is woll
Schlampamper? Wie kommst Du´n dazu?
Nante (verlegen):
Ja meine Stimme war in´n weißen Saal so belegt, daß ick nach Beendigung der Ablesung von die Thronrede nich mal´n
Vivat aus de Kehle kriegen konnte. Det mussen guter Freund von mir gemerkt haben, un da schickt er mir´n andern Dag
een´n Korb Schampanger, damit die Stimme wieder flüssig werden sollte.
Der fröhliche Umtrunk der beiden Freunde wird allerdings bald gestört. Ein Trupp Gendarmen besteht darauf, das Trinkgelage als verbotene Versammlung im Freien aufzulösen. Nante und Brenneke suchen unter Protest das Weite.
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