-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
 

Empfehlung des Monats September 2006

 
 
Buchumschlag - Göldenboog: Wozu Sex.jpg

Wozu Sex?

Göldenboog, Christian :
Wozu Sex? : Von der Evolution der zwei Geschlechter / Christian Göldenboog. - München : Dt. Verl.-Anst., 2006. -
238 S. ; 21 cm . - 1. Aufl.; Literaturverz. S. 221 - 238
3-421-05784-2

 
 

Stellen Sie sich vor, bei der Fortpflanzung ginge es nur um Kosten und Zahlen: Die sexuelle Fortpflanzung, bei der nur jeweils die Hälfte der Gene auf die nächste Generation übergeht, wäre von der Bildfläche verschwunden. Oder gar nicht erst aufgetaucht. Schlichte Zellteilung würde die Welt beherrschen. Aber wie sähe diese dann aus? Sexuelle Fortpflanzung hat überdies den Nachteil, daß sie"aufwendig"ist, weil immer zwei sich finden müssen. Welche Vorteile birgt sie also, evolutionär gesehen? Und wieso sind Eier teuer und Spermien billig? Christian Göldenboog gibt einen Überblick über die wichtigen evolutionsbiologischen Fragen und diskutiert in Gesprächen mit so bekannten Wissenschaftlern wie Luigi Luca Cavalli-Sforza, Kim Nasmyth und dem kürzlich verstorbenen Evolutionsgenetiker John Maynard Smith die neuesten Erkenntnisse zum Thema Sexualität. (Klappentext)

"Was für eine Frage!", werden viele denken, die diesen Titel im Büchergeschäft entdecken. In unserer zu einem grossen Teil enttabuisierten Gesellschaft ist es schliesslich nichts Neues, dass über Sex geredet wird. An allen Ecken wird darüber gesprochen - doch nirgends so sachlich, wie Christian Göldenboog das in "Wozu Sex?" tut.

Der Autor Christian Göldenboog wird als fundierter Kenner der Biologie beschrieben, was in "Wozu Sex?" klar zum Vorschein kommt. Seit mehr als zwölf Jahren schreibt Göldenboog in der "Süddeutschen Zeitung" und in "Psychologie heute" über die biologische Seite der Sexualität. In "Wozu Sex?" geht er auf evolutionsbiologische Fragen ein und transkribiert Gespräche mit Wissenschaftlern zum Thema Sexualität.

Weibliche Intuition
Göldenboog greift viele Aspekte der sexuellen Reproduktion auf und illustriert sie mit Beispielen aus dem Tierreich. "Eier sind teuer, Spermien sind billig" - so benennt er ein Kapitel und geht darin auf die sexuelle Selektion ein. Hier wird dem Leser beispielsweise beschrieben, dass Hähne mit Kämmen ausgestattet sind, nach denen das Huhn urteilen kann, ob es Nachwuchs von dem betreffenden Hahn will. Ist der Kamm nämlich knallrot, weist dies auf eine gute Durchblutung und damit auf gute Gesundheit hin. Die männlichen Drosophila (Fruchtfliegen) müssen sich richtig ins Zeug legen: Sie führen vor der potentiellen Partnerin einen aufgeregten Tanz auf. Diese lässt sich dann, je nachdem wie ausdauernd und gut er tanzen konnte, auf ihn ein oder lässt ihn abblitzen. - Doch ob jetzt vom Verhalten der Drosophila Parallelen zum Mensch gezogen werden können?

Männer aufgepasst
Immer wieder stellt sich in diesem Buch die Frage: Wozu braucht es Männer überhaupt? Im Kapitel "Mutter Naturs bizarre Erfindung des männlichem Geschlechts" geht Göldenboog ausgiebig darauf ein, warum sich Mensch und Tier nicht allesamt parthenogenetisch, also aus unbefruchteten Geschlechtszellen entwickeln. Bei diversen wirbellosen Tierarten ist Jungfernzeugung nämlich relativ weit verbreitet. Auch viele Insektenarten sind parthenogenetisch. So entwickeln sich beispielsweise männliche Ameisen und männliche Honigbienen (Drohnen) aus unbefruchteten Eiern. - Aber Männer, seid beruhigt, wir Frauen schaffen es nicht ohne euch!

Von A bis Sex
Göldenboog setzt sich in seinem Buch mit diversen Themen der Sexualität auseinander. Auch auf Epigenetik, Imprint, Klonen, molekulare Grundlage von Eiern und Spermien, Sexualität und Rasse und die Regulierung des Geschlechterverhältnisses bei der Vermehrung wird eingegangen. Also eine durchaus sehr weite Spannbreite zum Thema.

Unversierten Lesern von Texten aus der Biologie brummt früher oder später der Kopf von Genen und Chromosomen. - Was jedoch niemanden davon abhalten sollte, dieses Buch in die Hände zu nehmen. Schliesslich sind wir alle von dem hier behandelten Thema und der dahinter steckenden Biologie betroffen.

(von Susanna Valentin, zitiert: www.netzzeitung.ch)

 nach oben