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Empfehlung des Monats März 2005

 
 
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Augenweide

Augenweide : der Garten der Gärten / André Heller ;
Julia Kospach.
München : Dt. Taschenbuch-Verl., 2003.
399 S. : überw. Ill. ; 31 cm
ISBN 3-423-34001-0

 
 

Er ist ein Tausendsassa und Visionär, ein Aktionskünstler, der Lust am Außergewöhnlichen hat: Zirkus Roncalli, das poetische Variete Flic Flac, die chinesische Artistenshow "Begnadete Körper" - daran erinnern wir uns. Auch an seine Chansons und Bücher und multimedialen Erlebniswelten, mit denen er vor allem sich selbst phantastische Träume erfüllte: André Heller ist ein Mann auf den Spuren des Besonderen, er spielt mit sinnlichen Eindrücke und liebt, wie er sagt, beseelte Wesen, Musik und: Gärten. Denn Gärten sind Paradiese, kleine und große.

"Für den ersten, mir bekannten Gartenbesitzer halte ich den biblischen Gott, de so heikel auf sein Paradies war, dass er wegen des widerrechtlichen Genusses eines einzigen seiner Äpfel unter mehr als fadenscheinigen Begründungen die sofortige Schließung des Territoriums für Besucher veranlasste."

Und so machte sich Andre Heller zusammen mit Julia Kospach auf, das Paradies neu zu entdecken. Das Ergebnis ist eine Augenweide - und heißt auch so: auf fast 400 Seiten sind kleine und große Paradiese zu betrachten: Schloßgärten und plätschernde Brunnen, pausbäckige Engel und jasminbewachsene Türmchen, murmelnde Bäche unter grünen Baumdächern, spiegelnde Seen und kleine Teiche inmitten üppig blühender Pflanzen, saftig grüner Farne und zartgrüner Weiden, Skulpturen aus Gras und Erde, Statuen, Brücken und Baumalleen, Lustschlösschen und Liebeslauben, künstlich geschaffene und echt gewachsene Gartenwelten in einer nahezu unendlichen Pracht der Formen und Farben.

"Nicht der Wille des Gärtners, sondern sein genauer Blick bringt eine Pflanze dazu sich zu entfalten. Das Leben unter Pflanzen ist eine große Schule des Schauens."

Wie dieses Buch, das fast ohne Text daherkommt und erst im ausführlichen Anhang verrät, was wir auf den prachtvollen Fotos zu sehen bekommen haben: z.B. den Seerosenteich in Claude Monets Garten von Giverny bei Paris, Niki de Saint Phalles "Giardino dei Tarocchi" in ihrem Kunstgarten in der Toskana, den Rokokogarten Veitshöchheim bei Würzburg, einen japanischen Tempelgarten, Landschaftsgärten aus England und Frankreich, Schloß Sanssouci in Potsdam und La Majorelle in Marrakesch.

"Wer mich ganz kennenlernen will, muß meinen Garten kennen, denn mein Garten ist mein Herz"
sagte Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Landschaftsgärtner, Literat und Weltenbummler und:

"Es ist die Freiheit der Bäume, nach der wir uns sehnen"
wußte der tschechische Schriftsteller Karel Capek. Viele Dichter und Maler ließen sich von großartigen Gartenanlagen inspirieren, die den Moden der Zeit ebenso unterworfen waren, wie Kleider und Hüte. So wird zu allen Zeiten der Gärtner auch immer zum kreativen Handwerker,

" der den Rhythmus (wählt), in dem Licht und Schatten aufeinandertreffen, das Zusammenspiel von Gerüchen und Farben, von Blattwerk und Blüten".

In diesem Buch zu blättern, ist die pure Lust. Sich darauf einzulassen heißt: sich auf Schönheit zu besinnen, auf das Spiel von Farben, Licht und Schatten, auf fantastische Landschaften, auf Kunst und Natur, auf Muße und Meditation und schönste Augen-Blicke.

Und wenn Sie beim Blättern mal innehalten und lauschen, dann könnte es sogar sein, dass sie hören - wie das Gras wächst, wie Vögel zwitschern, Bienen summen, den Wind in den Blättern wispert und Bambushaine Geschichten erzählen.

Autorin: Christiane Schwalbe

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