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Empfehlung des Monats August 2005

 
 
Stewart_Flacherland.jpg

Flacherland

Stewart, Ian
Flacherland : die unglaubliche Reise der Vikki Line durch Raum und Zeit. Aus dem Engl. übertr. von Thomas Filk
München : Beck, 2003. 383 S. : Ill., graph. Darst. ; 23 cm
Einheitssacht. Flatterland <dt.>
ISBN 3-406-50179-6

 
 

Tolle Dimensionen
Edwin Abbott Abbotts „Flatland. A Romance of Many Dimensions“ erschien erstmals im viktorianischen England des Jahres 1884 und wurde zu einem Klassiker der populären Wissenschaftsliteratur (im Bestand der ZLB:Ma 401/95). Ian Stewarts „Flacherland“ ist ein brillanter Folgeroman, der wie kaum ein anderes Buch nach dem Pisa-Schock geeignet ist, Kindern (und auch Erwachsenen) die Lust an der Mathematik und der Physik zu vermitteln.
Der Ich-Erzähler in Abbotts Roman ist ein Quadrat. Seine Welt, die nur Länge und Breite, also nur die ersten beiden, jedoch nicht die Höhe, die dritte Dimension, kennt, wird bis in erstaunliche Einzelheiten geschildert. Schritt für Schritt verlässt der Leser seine gewohnte Denkweise und versetzt sich in den Alltag im Flächenland.
Mit großer Überheblichkeit versucht das Quadrat, den Punkten die Breite zu erklären. Aber wie mühevoll gelingt es ihm, die Höhe zu verstehen! Der Leser wird im Lauf dieser Reisen hin- und hergerissen, von der zweiten zur ersten und schließlich in die dritte Dimension. Mit jeder Seite wird seine Vorstellungskraft auf die Probe gestellt. Mit jeder Reise erfährt er, wie selbstzufrieden, beschränkt und borniert die Bewohner dieser Länder sind und wie schwer es ist, ihnen die Augen für das Nächstliegende zu öffnen.
„,Flächenland’ stellt die Relativität der Wirklichkeit schlechthin dar“, schrieb Paul Watzlawick. Dasselbe gilt für Stewarts „Flacherland“, das mit Witz und Humor auch komplizierte geometrische Probleme leicht verständlich schildert und mit Vikki und dem Space Hopper in viele weitere Dimensionen vorstößt. Wie Molly Moon das Buch der Hypnose findet, so entdeckt Vikki Line das Buch ihres Ururgroßvaters Albert Square, also Abbotts Quadrat.
Wer mit Enzensbergers „Zahlenteufel“ etwas gelernt hat, der wird von Abbott und Stewart begeistert sein. Beide Bücher sollten idealerweise von Kindern und Erziehern gemeinsam gelesen werden. Dann werden unglaubliche Entdeckungen, die Kleine ebenso wie Große faszinieren, nicht ausbleiben.

aus:Buchjournal online

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