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Dieser Mann streckte dem Universum die Zunge raus mit einer Formel, die die Welt veränderte und die kaum einer versteht - Albert Einstein, das Genie des Zwanzigsten Jahrhunderts. Der Einstein-Biograf Jürgen Neffe: "Einstein selbst hat mal gesagt: wie kommt es denn, dass mich jeder mag und keiner versteht? Ich glaube im Sinne Einsteins kann ich das relativieren: es hat ihn nicht jeder gemocht und schon ein paar verstanden! Einstein, ein Mann der Widersprüche. Bis heute kennt man vor allem seine erfolgreiche Seite als Popstar der Physik. Seit Einstein gilt: Es gibt keine Gleichzeitigkeit, Raum und Zeit sind relativ. Er hat die Naturwissenschaften revolutioniert: Kernspaltung, Quantenmechanik, sogar GPS wären ohne seine Erkenntnisse nicht möglich. Die kindliche Neugier, die sich Einstein erhielt, hatte privat auch ihre Schattenseiten. Dazu Jürgen Neffe: "Er hat sich wie ein Kind verhalten, konnte nicht mit Geld umgehen. Seine zweite Frau musste ihn füttern. Er war ganz abwesend und hat gnadenlos kindliches Verhalten gezeigt: konnte lachen, wenn andere weinten." Der Grund dieses merkwürdigen Verhaltens: Einstein war möglicherweise Autist. Jürgen Neffe erklärt: "Das geht vor allem darum, dass Einstein ein Spätzünder war. Er hat sehr spät angefangen zu sprechen - nach seinem dritten Geburtstag und ein Verhalten gezeigt, was man von Autisten kennt. Da muss man aber aufpassen. Autismus ist eine schwere Krankheit, ich würde sagen: autistoide Züge. Er wurde vom Hausmädchen als Depperter bezeichnet." Einstein ein Autist? Dazu würde passen, dass er - in der Öffentlichkeit ein humorvoller Clown - privat ein eiskalter Klotz ohne Mitgefühl gewesen sein soll. Seine erste Frau Mileva betrügt er jahrelang mit Cousine Elsa und unter anderem mit einer mondänen KGB Spionin. Darunter litten vor allem die Söhne. Einstein forderte Leistung, ohne ihnen Liebe zu zeigen. Jürgen Neffe: "Ich habe in den Archiven Briefe an seine Söhne gefunden. Wenn man sich das Bild zusammensetzt, entsteht da schon eine Persönlichkeit, von der ich denke, dass sie nicht jedem sympathisch ist: oft sehr herzlos, kann sich nicht einfühlen. Der jüngere Sohn ist krank geworden. Und Einstein hat ihn gestraft, indem er ihn nicht besucht hat." Als Ehemann und Vater versagt Einstein - ihm sind die großen Themen der Menschheit wichtiger. Im Politischen ist Einstein ein Visionär - schon früh erkennt er die Bedrohung des Nationalsozialismus. Der Nobelpreisträger und glühende Pazifist setzt nun seinen weltweiten Ruhm ein, um für Frieden und Menschenrechte zu kämpfen. In den 1930-er Jahren emigriert er in die USA. Von hier aus hilft er Hunderten deutschen Juden, mit von ihm gefälschten Papieren zu fliehen. Einstein, der Friedenskämpfer, setzt sich plötzlich ein für den Bau der amerikanischen Atombombe - das wird er später bereuen. Jürgen Neffe: "Einstein hatte für den Bau einer Atombombe nur gegen Deutschland plädiert. Das war sein Ziel, das Naziregime zum Ende zubringen. Als die Atombombe über Japan abgeworfen wurde, war es eine schreckliche Geschichte und noch schlimmer war vielleicht, dass ihm als 'Vater' der Atombombe das alles in die Schuhe geschoben wurde." Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kämpft Einstein deswegen engagiert für eine "Weltregierung", um ein atomares Wettrüsten zu verhindern und die Verantwortung für die Atombombe in neutrale Hände zu legen. Das FBI hält ihn deswegen für einen Kommunisten und lässt Einstein bespitzeln - mit absurden Vorwürfen. Jürgen Neffe: "Hoover hat eine ganze Akte gefüllt, viele tausend Seiten. Da war viel Unsinn dabei, auch Gerüchte: er habe Kontakt mit Außerirdischen, er entwickle Geheimwaffen, Strahlen, ohne dass es jemand nachgeprüft hat." Doch um ihn verhaften zu lassen, ist Einstein zu berühmt. Er lässt sich auch nicht einschüchtern. Bis zu seinem Tod macht er auch gegen die USA Politik - wie bei seiner Fernsehansprache gegen die Wasserstoffbombe 1950: "Die Vorstellung, Sicherheit durch Rüstung zu erlangen, ist eine verhängnisvolle Illusion." Politischer Prophet, Frauenheld, Clown, Genie - oder ganz einfach: Albert Einstein. Natascha Geier (www.br-online.de)
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