-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
-----
 

Empfehlung des Monats September 2005

 
 
schoenbeck_euklid.jpg

Euklid

Schönbeck, Jürgen
Euklid : um 300 v.Chr.
Basel [u.a.] : Birkhäuser, 2003. 264 S. : Ill., graph. Darst. Literaturverz. S. 247 - 253
ISBN 3-7643-6584-6
Über Euklid externer link 

 
 

Über Euklid gibt es, wie über Homer, praktisch nur Vermutungen, die sich mit wenigen Worten niederschreiben lassen: Euklid, der Verfasser der Elemente und anderer Werke, lebte vermutlich um 300 v. Chr. in Alexandria in Ägypten. Eine andere These meint, er war Schüler von Platon und Aristoteles und habe in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. in Athen gelebt. Doch nicht einmal die Existenz der Autorenschaft einer einzigen Person ist sicher, Euklid könnte auch ein Pseudonym für eine Gruppe von Mathematikern gewesen sein, die im 4. oder 3. Jahrhundert v. Chr. gemeinsam die Grundlagen der euklidischen Geometrie erarbeitet und niedergeschrieben haben. Weder seine Handschrift noch ein Bild von ihm wurden überliefert. Aus arabischer Überlieferung stammt eine über tausend Jahre alte Geschichte, nach der er ein Zimmermann aus Tyros gewesen sei – der Begriff Zimmermann bedeutete damals, dass derjenige mit seinen Händen kreativ schaffend tätig war, als Handwerker, Künstler oder überhaupt als Neuschaffender.

Erhalten sind die mathematischen Schriften Euklids »Elemente«, »Data«, »Figurenteilung« und »Spitze Winkel im Kreis«, verloren gingen »Kegelschnitte«, »Porismen«, »Oberflächenörter« und »Trugschlüsse«. Teilweise erhalten sind die Schriften zur Physik »Mechanische Probleme«, »Schnitt des Kanons«, »Optik«, »Katropik« und »Himmelserscheinungen«. Als vielleicht erster Mathematiker der alexandrinischen Schule beschäftigte er sich nicht nur mit Geometrie, sondern auch mit Arithmetik, Astronomie, Mechanik, Optik und Musik. Die umfassendste, griechisch-lateinische Neuausgabe des gesamten Werkes stammt von den Altphilologen und Mathematikhistorikern Johan Ludvig Heiberg und Heinrich Menge. Sie wurde zwischen 1883 und 1916 publiziert.

Wer die nicht lesen kann oder will, ist mit dem Band »Euklid« von Jürgen Schönbeck aus der Reihe Vita Mathematica des Birkhäuser Verlags bestens bedient. Der Autor – Professor an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg – vereint auf über 250 Seiten die historischen, mathematischen und mathematikhistorischen Aspekte des wohl berühmtesten Geometers der Wissenschaftsgeschichte und seines Werkes in einer bestens lesbaren Darstellung. Dabei behandelt er auch ausführlich die voreuklidische griechische Mathematik, die Traditionslinien der euklidischen Geometrie und ihre Wirkungsgeschichte in der Antike (100 bis 500 n. Chr.), im arabischen Kulturraum (800 bis 1300) und im Europa des Mittelalters und der Neuzeit. Auch vom Layout her ist das Buch eine wohlausgewogene Mischung von Text, mathematischen und geometrischen Inhalten, Diagrammen und Abbildungen – leider nicht in Farbe –, versehen mit ausführlichen Quellenangaben und Literaturhinweisen. Für Fachleute und mathematisch interessierte Laien gleichermaßen empfehlenswert!

Buchbesprechung von Franz Szabo

 nach oben